Als wir innehalten, ist der Raum erfüllt von warmer, dichter Luft – Schweiß, Leder, uns. Sie legt den Kopf auf meine Schulter, still, schwer atmend, ihr Körper noch bebend. Ich halte sie, streiche mit den Fingerspitzen über ihren Rücken, spüre die Gänsehaut, die nicht vergeht. Draußen geht irgendwo eine Tür, Schritte hallen im Treppenhaus – die Welt, die weitermacht. Hier drinnen steht die Zeit für ein paar Sekunden still, und ich frage mich, ob sie das Pochen zwischen ihren Beinen noch spürt, so wie ich es zwischen meinen.
„Geht’s dir gut?“, flüstere ich, meine Lippen an ihrem Ohr.
Sie nickt, lächelt gegen meine Haut, ihr Atem heiß auf meiner Brust. „Besser als gedacht. Viel besser.“
Für einen Moment sagen wir nichts. Ihre Finger zeichnen träge Kreise auf meiner Hüfte. Dann löst sie sich sacht, öffnet den Wein mit zitternden Händen, schenkt uns beiden ein. Wir trinken schweigend, während ihr Blick meinen sucht – voller Dankbarkeit und etwas Neuem, Wildem.
Später, als wir immer noch nebeneinanderliegen, eng aneinandergeschmiegt auf dem Sofa, spüre ich die Ruhe nach dem Sturm ganz klar. Keine Schuld, kein schlechtes Gewissen, nur diese seltsame Leichtigkeit, eine Art Reinheit, wie nach einem Gewitter, das den Himmel klärt.
Ihr Atem wird langsamer, tiefer; sie schläft ein, ihr Gesicht entspannt, so vertraut und doch heute von ganz anderen Schatten durchzogen – Ekstase, Hingabe, dieses Flackern in ihren Augen, als sie gekommen ist. Ich sehe auf sie hinab, lasse meinen Blick über die Rundungen wandern, die ich gerade erst neu erkundet habe, und spüre ein Ziehen in mir: Ich wünsche mir mehr. Doch nicht heute.
Ich wecke sie sachte auf, küsse ihre Stirn. „Du musst gehen.“ Auch wenn Jakob nicht da ist, er würde misstrauisch werden, bliebe sie die Nacht weg.
An der Tür sagt sie nur: „Danke.“ Ihre Hand verweilt kurz auf meiner Wange, die Finger warm und zögernd.
Ich nicke. Mehr braucht es nicht. Als sie gegangen ist, bleibt der Raum erfüllt von ihrer Gegenwart.
Ich setze mich ans Fenster, trinke den Rest des Weins.
Wir haben es wieder getan – uns vertraut. Nur diesmal als Erwachsene. Keine Teenager mit ihren Träumen und Ängsten, sondern zwei Frauen mit ihren Sehnsüchten, die wir nun teilen.
Somit hat das Geheimnis zwischen uns eine neue Facette bekommen – und ich bin mir sicher, dass es sich noch weiter entfalten wird. Denn der heutige Abend hat sich nach einem Neuanfang angefühlt. Nach dem ersten von vielen.
Loslassen mit dir
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