Loslassen mit dir

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Loslassen mit dir

Loslassen mit dir

Chloé d'Aubigné

Klar, mir war bewusst, dass das kein echtes SM war, eher eine Light-Fassung fürs Kino. Aber es war mir egal. Wohl auch, da ich für echtes SM der falsche Typ bin. Aber es hat mich angesprochen, irgendwo zwischen Bauch und Schambereich, da, wo Fantasien wach werden. Nur leider hatte ich den Film damals alleine gesehen; er konnte mich also nur zu Bildern in meinem Kopf inspirieren – und zu einsamen Berührungen im Dunkeln, nicht zu mehr.
„Schön wär’s gewesen! Jakob hat nach einer halben Stunde abgeschaltet.“ Sie seufzt. „Er nannte es Schweinekram.“
„Und du?“
„Ich fand es ehrlich gesagt eher … interessant.“
Ich lächle. „Das ist kein Schweinekram. Zumindest nicht für mich. Als ich ihn damals gesehen habe, dachte ich mir, es geht um Vertrauen. Um Loslassen.“
Sie ist kurz still. Dann spricht sie wieder, und ich höre, wie sie die Worte sorgfältig abwägt: „Loslassen. Ja. Ich glaube, das habe ich lange nicht mehr getan.“
Ihre Worte bleiben in der Leitung hängen; zwischen uns dehnt sich eine Pause, die merkwürdig aufgeladen wirkt. Ich höre ihren Atem, stelle mir ihr Gesicht vor – dieselbe Mischung aus Neugier und Trotz wie früher. Meine Gedanken rutschen von allein dorthin zurück.
„Weißt du noch, wie wir damals …?“ Sie bricht ab, wartet nicht auf eine Antwort.
Natürlich weiß ich es. Diese Sommerabende, an denen wir uns Geschichten erzählten, weil wir nicht wussten, wie man Wünsche ausspricht. Unsere erst unbeholfenen und dann immer längeren Küsse im Zwielicht, mehr Freundschaft als Begierde, und doch … ehrlicher als vieles danach. Damals wussten wir, dass wir all dies gemeinsam erleben wollten. Weil wir nicht riskieren wollten, unsere ersten Male mit jemandem zu erleben, der es nicht verdient hätte. Weil wir wussten, dass wir uns auf eine gewisse Weise lebenslang treu bleiben würden.

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