Und er hat bewirkt, dass sie ganz ruhig geworden ist. Oder war es doch die Realität, die sie beruhigt hat. Sie erinnert sich auf einmal, an die seltsamen Gefühle, die sie gequält hatten. Dass sie unbedingt mit einem Mann zusammen sein wollt. Aber das, was sie noch vor kurzem so dringend wollte, will sie jetzt gar nicht mehr. Alle diese drängenden Gefühle, die einerseits bedrückend, andererseits erregend waren, sind wie weggeblasen. Die quälenden Wellen aus ihrem Unterleib sind verschwunden, der Druck in den Brüsten, weg. Vielleicht war es doch kein Traum gewesen, vielleicht hat sie doch die Befriedigung erfahren, die sie wollte und dann die Entspannung und dann erst ist sie eingeschlafen. Langsam öffnet sie die Augen, sieht aber nur weißen Nebel. Dann wird ihr aber doch klar, was wirklich geschehen ist, dass sie in einer Situation eingeschlafen ist, in der man einfach nicht einschlafen darf. Das ist ihr im Leben noch nie passiert, einzuschlafen, bevor die Liebe, so nennt man es ja, überhaupt begonnen hat. Das ist ja geradezu peinlich, dass so etwas passieren konnte. Der Nebel lichtet sich weiter und nun begreift sie auch, wo sie ist und dass sie immer noch nackt und breitbeinig auf dem Bett liegt.
In dieser unmöglichen, demütigenden Situation aufzuwachen, ist ja fast noch peinlicher, als die Liebe zu verschlafen, denkt sie und ist zugleich froh, dass sie überhaupt wieder klar denken kann und dass auch ihre Sinne wieder funktionieren, denn sie merkt, wie ihre ganze Aufmerksamkeit von etwas angezogen wird. Sie muss mehrfach hinschauen, um zu begreifen, was sie da sieht, was da vor sich geht und nachdem sie es begriffen hat, verschwindet das Gefühl der Peinlichkeit, dafür macht sich großer Ärger in ihr breit. Am Fußende des Bettes steht ein nackter Mann, der Mann, mit dem sie in das Zimmer gekommen ist. Er ist offensichtlich erregt, sein Penis ist halbwegs steif.
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