Aber das ist es nicht, was sie aufregt. Weder der nackte Mann noch sein semi-erigierter Penis. Den Anlass ihres Ärgers hält der Mann in der Hand. Es ist sein Handy, sein beschissenes Handy, auf das er starrt und das direkt auf sie gerichtet ist. Ihr ist völlig klar, was dieser Typ mit seinem Handy macht. Er fotografiert sie, er macht pornografische Bilder von ihr. Wahrscheinlich filmt er sie sogar, dreht einen Porno von einer nackten, hilflosen Frau, die mit weit gespreizten Beinen vor ihm liegt. Das also ist die wahre Absicht dieses Voyeurs, dieses Hampelmanns, der es nicht geschafft hatte, sie zu vögeln, als sie das noch dringend wollte. Was für ein Versager, der es selbst jetzt nicht schafft, sie direkt anzuglotzen, sondern sogar dazu sein bescheuertes Handy braucht. Er will diese Bilder, um sich später aufzugeilen, um sich einen runterzuholen, wenn er allein ist und wann immer er Lust hat, sofern in ihm überhaupt noch Lust aufkommen kann. Billigste Selbstbefriedigung mit Bildern von ihr, für die er noch nicht einmal einen Cent bezahlt hat. Auf diesen Typ ist sie hereingefallen! Mit dem wollte sie unbedingt Sex haben! Sie wollte, aber er nicht.
Er wollte sie nur filmen, von Anfang an, denn schon im Café hat er ja dieses Handy auf sie gerichtet, das wird ihr erst jetzt klar. Vielleicht hat er das gebraucht, um sie zu hypnotisieren? Man weiß ja, dass man auf irgendeinen Gegenstand schauen muss, und sei es nur die eigene Nasenspitze, man konzentriert sich und auf einmal ist man weg. Ja, es muss Hypnose gewesen sein, da ist sie sich jetzt ganz sicher. Er hat sie erst in diesen seltsamen Tran versetzt, sie dann in das Hotel abgeschleppt und sie hier in Tiefschlaf versetzt. Und das alles nur, um sie zu missbrauchen. Jawohl, das was er da macht, ist nichts anderes als Missbrauch. Er hat ihre hilflose Situation ausgenutzt und statt sie zu vögeln, wie es verabredet war, hat er sie nur gefilmt. Aber das mit dem Filmen war nicht abgesprochen, davon war keine Rede gewesen, sie wollte doch keine Hauptrolle in einem Porno spielen. Mit einem Ruck richtet sie sich auf, setzt sich hin, verbirgt so ihre offene Blöße, hält sogar reflexartig die Arme vor ihre Brüste, die ja gar nicht frei sind, sondern immer noch in dem zu kleinen BH stecken. Die Gedanken rasen weiter durch ihren Kopf. Wie konnte sie überhaupt in diese Lage kommen? Selbst wenn er sie hypnotisiert hatte oder ihr doch k.o.-Tropfen gegeben hatte, aber wann und wie, selbst dann hätte er sie nicht zum Sex zwingen können. Oder hatte sie doch keinen, war das doch nur dieser verdammte Traum gewesen. Dann fällt ihr ein, dass sie es selbst war, die diesen Handyfreak angesprochen hatte, ihn geradezu angefleht hatte, mit ihr zu schlafen. Wo sind denn nur diese Gefühle geblieben, diese orgiastischen Aufwallungen, diese Hormonstöße, diese vaginale Diarrhö, diese Flut von Sekreten aus ihrer Möse, dieses Brennen im Unterleib, der Druck in den Brüsten? Wo ist das alles geblieben? Was war denn Wahrheit, was hatte sie geträumt? Wahrheit ist, dass sie auf einem Bett in einem schäbigen Zimmer sitzt und ein nackter Mann davor steht, der aber endlich aufgehört hat, sie zu filmen. Er starrt sie jetzt an und nun will sie eine Erklärung, will wissen, was geschehen ist und was überhaupt los ist, mit ihr, mit diesem Mann und endlich fängt sie an zu schreien.
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