Der Lustbeamer - Teil II

Im Hotel

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Der Lustbeamer - Teil II

Der Lustbeamer - Teil II

Yupag Chinasky

Es entgeht ihm offensichtlich nicht, wie sehr sie leidet, das ist zu eindeutig. Sie scheint völlig ratlos zu sein. Erst bringt sie kein Wort hervor, und als er sie fragt, ob er ihr helfen könne, nickt sie nur, und als er weiter fragt, womit und wie, wird sie rot vor lauter Verlegenheit und sagt noch immer kein Wort. Scheinbar gelassen und leicht amüsiert lächelt er sie an. Sie solle doch einfach sagen, was sie auf dem Herzen habe, er benutzt diese altertümliche, biblisch anmutende Formulierung. Ob, beginnt sie und schweigt wieder einige Sekunden, ob er sich vorstellen könne, mit ihr, jetzt gleich. Sie stockt, er nickt, obwohl er doch gar nicht wissen kann, was sie von ihm will. Ob er sich vorstellen könnte, setzt sie den Satz fort, gepeinigt von dem, was sich immer noch in ihrem Unterleib abspielt und voller Scham, ja wirklich, sie schämt sich, was sie ihm sagen will, ja sagen muss. Ob er sich vorstellen könnte, mit ihr in das Hotel Aphrodite zu gehen, gleich gegenüber. Wieder schweigt sie und ringt nach Worten. Sie habe auf einmal das dringende, das äußerst dringende Bedürfnis mit einem Mann zusammen zu sein, mit ihm, ob er es glaube oder nicht. Sie lacht kurz auf und wiederholt, ob er es glaube oder nicht, sie brauche jetzt sofort einen Mann und zwar ihn, nur ihn, nur mit ihm wolle sie in das Hotel gehen, mit keinem anderen. Sie ist ganz rot, aber auch erleichtert, dass sie es gesagt hat. Sie fährt fort, in ihr sei ein Gefühl aufgekommen, wie früher, als man noch verliebt war und so rasch wie möglich mit dem Geliebten ins Bett gehen wollte. Er kenne doch sicher diesen Zustand, oder? Hastig fährt sie fort, er solle aber nicht glauben, dass sie eine Nutte sei, die es mit jedem treibe. Sie wolle wirklich kein Geld, nur Sex, sonst nichts, aber den jetzt gleich und mit ihm. Dann schweigt sie und sieht ihn fragend und flehend an, voller Unsicherheit, voller Erwartung, voller Angst, er könne ablehnen oder die Situation als lächerlich empfinden oder einfach aufstehen und weggehen.

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