Dem wahren Genüßling dürfte das ohnehin nicht schwer fallen. Denn er nähert sich der Schönheit nicht, um sie anzuschmachten, sondern um sie mit gewohnter Selbstverständlichkeit zu genießen. Die schönen Dinge des Lebens wurden ausschließlich für ihn geschaffen, und sie werden in seinen Korb fallen. Und wie Fallobst werden sie sich ihm, selbst wenn er ein Quasimodo ist, in die offenen Arme werfen. Er ist das Subjekt, die zu erobernde göttliche Erscheinung aber wird in seinen Augen zum Objekt, das ebenso einzig dazu geschaffen wurde, sein Leben zu bereichern. Mit dieser Haltung aber erobert er die Schönsten der Schönen im Sturm. Denn für sie wird er wiederum zu einer echten Herausforderung.
Was ist das für ein Zwerg, mögen sie sich zornig denken, der es wagt, sich mir wie einem jedermann zu nähern, der nicht speichelt, buckelt und wie Wachs vor meinem Blick zerfließt. Und mit dieser Frage schon ist er verzaubert, interessant. Das Rad hat sich gedreht. Die Schönheit selbst buhlt nun um seine Aufmerksamkeit, eifert darum, ihm ein gleichwertiges Gegenüber zu sein. Und da solches Werben die Schönheit wiederum adelt, ihren Liebreiz ins Unermeßliche erhöht, wird sie die Distanz zu ihm nie über-winden. Steigert doch der ihr zufliegende Adel für den Lustmolch nur den Genuß ins astronomische. Und so bleibt er der sich am himmlischen Nektar labende Genießer, während ihre Göttlichkeit endlich ihrem eigentlichen Zweck entgegenstrebt, als Schönheit auch mit Sinnen und Verstand genossen zu werden. Dies mag dann der Moment des Erkennens sein, in dem die Prinzessin den unverschämten Frosch küßt. Doch da wir nicht im Märchen sind, muß sie ihn immer wieder küssen, um in ihm den Prinzen wach zu halten, der die irrwitzige Größe besitzt, einem Halbgott einen Platz an seiner Seite frei zu halten.
Der Lustmolch in der Horizontalen
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Der Lustmolch in der Horizontalen
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