Der Lustmolch in der Horizontalen

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Der Lustmolch in der Horizontalen

Der Lustmolch in der Horizontalen

Matthias Mala

001 präsentiert, sofern er einem mal unter die Decke schlüpfte unbestritten eine interessante aber doch eher belustigende Erfahrung. Danach wird sie der Lustmolch freilich schleunigst als getan abhaken. Verärgert ihn doch solche Akrobatik ebenso rasch, wie etwa ein überkandidelter Service in einer Luxusherberge, in der sich das schnöselige Personal bemüht, feiner zu sein als der edelste Gast.
Der unüberschaubare Rest möglicher Paarungsspiele indes bleibt den persönlichen Neigungen und Wechselfällen des Lebens unterworfen. Mag einen heute noch jenes bizarre Spiel restlos begeistern, entwickelt sich morgen schon eine andere absonderliche Vorliebe, die womöglich zwischendurch wieder vom Verlangen nach einer ordentlichen Hausmannskost abgelöst wird. Zu werten gibt es da wenig. Von Bedeutung bleibt allein, daß der Lustmolch jede Art dieser Sinnenfreuden zu einem Hochgenuß steigert und jedes Beisammensein als einmaliges Fest zu zelebrieren weiß. Ist ihm diese Möglichkeit allerdings nicht gegeben, verzichtet er lieber, anstatt hineinzuschlingen, was nachher nur schwer im Magen liegt. Denn Hunger mag für jedermann gewiß der beste Koch sein, dem Genießer aber bleibt auch bei knurrendem Magen schon der erste Bissen eines Fraßes im Halse stecken. Hunger zu haben, ist daher dem wahren Aficionado ebenso eine Form schätzenswerter Sinnlichkeit, deren forderndes Verlangen allerdings nur er zu würdigen versteht. Dies gilt insbesondere für seinen erotischen Appetit, ist er doch die eigentliche Krönung seiner Kreatürlichkeit, seine Sättigung hingegen von jener angenehm matten Tristesse, die ihn vor einem Relief de Tafel anwandelt, wenn die Kerzen im Tischleuchter erlöschen und der letzte Schluck des Digestifs seinen Magen wärmt. Nicht daß er dieses Gefühl nicht schätzt, gehört es doch unabdingbar zum Ausklang eines vollendeten Liebesspiels. Freilich stellt es sich nur ein, wenn das Spiel auch im wahren Sinne des Wortes vollendet war. Nur dann entfaltet sich nach dem Petit morte jene süße die Ewigkeit durchmessende Traurigkeit, die wie ein herzzerreißender Tango gleichermaßen ein Versprechen ist.

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