Fiola und Rilxa begreifen, sie verstehen natürlich, was die Frauen rufen.
»Wir wollen das Mannstier sehen!«
»Her mit dem Mannstier!«
»Keine heimlichen Stöpseleien!«
»Brunft für alle!«
Ratlos und etwas ängstlich sehen sich Alexanders Gattinnen an. Es geht auch gegen sie, aber was sollen sie machen? Erleichtert sehen sie, wie die Schamanin langsam aus dem Wald auf die Lichtung tritt, hinter ihr die Stammesfürstin. Bis zum Waldrand müssen sie gerannt sein, aber jetzt schreiten sie würdevoll auf die wütenden Frauen zu. Es kehrt Ruhe ein, alle haben sich erwartungsvoll den beiden Führerinnen zugewandt.
Otrere verflucht heimlich den jungen Mann und die ungeschickten Frauen, die ihn haben fliehen lassen. Nur so kann die Anwesenheit von Männern im Tal bekannt geworden sein. Hier war dann auch der größte Tumult, sodass die Frauen, die das Gerücht gehört haben, hierhergekommen sind. Oder aber eine der Ältesten oder der Wächterinnen hat doch nicht dichtgehalten. Es hilft nichts, jetzt muss sie den Schaden begrenzen.
»Liebe Schwestern, niemand will euch etwas vorenthalten. Wir haben die Tatsache, dass wir ein Mannstier zu unserer Verfügung haben, bisher nicht weiterverbreitet, weil es sich hier erst an seine neuen Umstände gewöhnen und zahm werden muss. Wir haben vorerst nur Rilxa und Fiola zu ihm geschickt, um ihm beizuwohnen, in der Hoffnung, dass diese das letzte Mal vom Pech verfolgten Frauen diesmal trächtig werden. In nur zwei Tagen findet unser großes Fest der Lustspalte statt. Das soll zugleich der Beginn der neuen Brunft werden. Auf diesem Fest bekommen alle Gelegenheit, unser Mannstier kennenzulernen und sich mit ihm zu verlustieren. Alles weitere wird dann geregelt werden, auch die Deckung der Jungfrauen.«
Viele der Frauen murren immer noch und sind nicht zufrieden.
»Ich sehe, einige wollen nicht so lange warten. So sei es denn. Wer von euch ist denn bereit, jetzt sofort die Brunft zu beginnen, wer bietet sich unserem Mannstier zu einer Begattung an?«
Zwei junge wilde Frauen drängen sich nach vorn und bieten sich der Schamanin an, eine weitere folgt.
»Gut, ich sehe, ihr wollt das. Dann sei das hier die Probe für unser großes Fest in zwei Tagen.«
Otrere berät sich kurz mit Oroka, die neben sie getreten ist und winkt dann eine der anderen Frauen heran. Sie flüstert ihr etwas ins Ohr, worauf diese davonstürmt.
Otrere geht die Treppe zum Pfahlhaus hinauf, während Oroka die drei Ungeduldigen, die sich gemeldet hatten, zu ihren Füßen auf den Boden sitzen lässt.
Die anderen Frauen umringen die Gruppe. Sie ahnen, was sich hier gleich ereignen wird und tuscheln aufgeregt miteinander. Aller Blicke sind auf den Eingang der Hütte gerichtet, wo sie das Mannstier vermuten.
Lustvolle Gefangenschaft
Weiberschlucht - Teil 8
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