Lydia feiert Weihnachten

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Lydia feiert Weihnachten

Lydia feiert Weihnachten

Anita Isiris

“Heya”, grüsste er, “heya”. “Komm rein.” Die Einladung der bezirzenden Lydia nahm er mit einem gemütlichen, herzhaften Lachen an und stapfte in den Marmorkorridor. Unaufgefordert legte er erst mal ab und streifte mit seinen Blicken Lydias Beine. Er hatte schon mehr von ihr zu Gesicht bekommen als die Beine, klar, aber man nahm, was man bekam, oder? Er liess sich auf den Schaukelstuhl vor dem Kamin fallen und streckte sich. “Ist einfach phantastisch bei Dir, Lydia, einfach phantastisch.” Dann klingelte es erneut. Sam Lember schaute sie fragend an; Lydia war sich mit einem Mal nicht mehr so sicher, ob sie diese ganz spezielle Weihnachtsfeier wirklich gewollt hatte. Ihr frisch gewaschenes Haar verströmte einen betörenden Duft, der sogar den harten Sam hinriss. Nino Ambrosino, der Dorfpfarrer, schüttelte ausgiebig Lydias Hand und konnte nicht umhin, mit seinen Blicken ihre Figur zu streifen. Er hatte schon mehr von ihr gesehen, klar, aber man nimmt, was Gott gibt, nicht? Als die beiden Männer der gegenseitigen Anwesenheit gewahr wurden, sank die Temperatur für ein paar Sekunden um ein paar Grad – Lydia überspielte die Situation aber geschickt und bot den beiden möglichen Vätern ein paar Weihnachtsplätzchen an.

Es war ein spannungsgeladener Abend, dieser 23. Dezember 2020, und die Spannung würde sich gleich noch ein wenig erhöhen. Als Lydia sich bückte um ein paar Kerzen anzuzünden, war für einen kurzen Moment ihre Pflaume zu sehen. Lydias gepflegtes Weihnachtspfläumchen, jaja. Sam Lember hatte es im vergangenen August zum letzten Mal bewundern dürfen, Nino Ambrosino vor wenigen Tagen. Dann klingelte es. Reto Zumbühl, vollkommen verschneit, vergass sich und drückte Lydia zärtlich an sich. “Brrr, Spinner, überleg doch, was Du da tust...” protestierte sie lachend und machte sich von ihm los. Sie klopfte sich den Schnee vom Nachtkleidchen, Zumbühl betrat selbstsicher den Korridor und hängte seinen Mantel über einen Bügel.

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