Machtspiele mit dem Poolboy

Sophie von Wolfenstein - Teil 6

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Machtspiele mit dem Poolboy

Machtspiele mit dem Poolboy

Marvin Swan

Klara sah sie an, musterte sie für einen kurzen Moment, als würde sie überlegen, wie viel Ehrlichkeit nötig war.
„Ein Problem weniger“, sagte sie ruhig.
Sophie schüttelte leicht den Kopf. „Du hast ihn provoziert.“
Klara lächelte – nicht spöttisch, sondern fast mild.
„Ich habe gar nichts provoziert. Ich habe ihm nur die Gelegenheit gegeben, professionell zu bleiben.“
Sophie wollte widersprechen, doch die Sicherheit fehlte ihr plötzlich. Der Gedanke, dass der Mann sie beobachtet hatte – vielleicht schon länger – ließ sie unruhig werden.
Klara trat näher und lehnte sich gegen die Fensterbank. Ihre Stimme war weich, beinahe erklärend.
„Er hätte wegsehen können. Er hätte weiterarbeiten können. Er hätte Distanz wahren können. Stattdessen hat er sich entschieden, die Grenze zu überschreiten.“
„Du hast diese Grenze bewusst verschoben“, entgegnete Sophie.
„Nein“, sagte Klara ruhig. „Ich habe nur gezeigt, wie schnell sie für ihn nicht mehr existiert.“
Ein kurzer Moment verging. Draußen lag der Pool still da, als wäre nichts geschehen.
„Du kannst dir keine Menschen leisten, die in einem Moment der Versuchung ihre Rolle vergessen“, fuhr Klara fort. „Nicht in deinem Haus und schon gar nicht in der Firma.“
Die Worte trafen einen empfindlichen Punkt. Sophie dachte an die bevorstehende Fusion, an die Spannungen im Büro, an die subtilen Machtspiele, die sie in letzter Zeit gespürt hatte.
„Vielleicht war ich zu gutgläubig“, murmelte sie.
Klara legte ihr eine Hand auf die Schulter. Die Berührung war fest, aber nicht tröstend. Eher bestimmend.
„Du bist nicht gutgläubig. Du bist fair. Aber Fairness ohne Wachsamkeit wird ausgenutzt.“
Sophie sah sie an. In Klaras Augen lag keine Reue, kein Triumph. Nur Überzeugung.
Und genau das verunsicherte sie.
„Er hätte dich irgendwann in eine Situation bringen können, in der es gegen dich ausgelegt worden wäre“, sagte Klara leise. „Ich habe nur getestet, wie standhaft er ist. Und er war es nicht.“
Sophie schwieg. Sie wusste nicht, ob das stimmte. Aber sie wusste, dass sie es nicht vollständig widerlegen konnte.
Klara wandte sich ab, als wäre das Thema erledigt.
„Du willst wachsen“, sagte sie über die Schulter hinweg. „Dann musst du lernen, Menschen nicht nach Sympathie zu bewerten, sondern nach Stabilität.“
Sophie blieb am Fenster stehen, während draußen der Kescher noch immer am Beckenrand trieb.
Irgendetwas hatte sich verschoben und sie wusste nicht, ob es nur den Poolboy betraf.

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