Die Männerversteherin

IV.

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Die Männerversteherin

Die Männerversteherin

Anita Isiris

Der Fan über mir hatte enorme Ausmasse. Er verteilte lediglich die klebrige Hitze, die von überall auf mich zukroch, obwohl ich soeben geduscht hatte. Ich war splitternackt. Was denn sonst, im Südseesommer, durch Jalousien von neugierigen Blicken geschützt? Für mich ist meine eigene Nacktheit ja nichts Besonders. Hätte ein Mann neben mir gelegen, ich hätte mir bestimmt etwas übergeworfen. Ein Hauch von Nichts vielleicht – aber nackt neben einem Mann liegen und von ihm in Ruhe gelassen werden? Undenkbar.

Die Matratze, auf der ich lag, war hart. Für gewisse sportliche Aktivitäten hätte sie sich klar nicht geeignet. Ich mag blaue Flecken nicht. Um wach zu bleiben, über mich nachzudenken – darum war ich eigentlich hier – und ein wenig an mir herumzuspielen, war sie aber perfekt, die Matratze, die sich anfühlte, als wäre sie mit gemörserten Kokosschalen gefüllt.

Mein Teil des Bungalows im grosszügigen Resort bestand aus zwei Räumen – einem Küchen-Wohnraum und dem Schlafzimmer, in dem ich soeben lag. Die Wand, an der mein Bett stand, war aber nicht etwa bis in den Giebel hochgezogen, sondern endete dort, wo die Dachschräge begann. Dort ging sie in ein feinmaschiges Gitter über – wohl aus Gründen der besseren Belüftung.

Reginas Schlafzimmer befand sich direkt auf der andern Seite. Ja, die Regina. Tochter schwerreicher Eltern und begeisterte Leserin meiner Kurzgeschichten, hatte mich nach Rarotonga eingeladen. Rarotonga ist der Prototyp einer Südseeinsel – umsäumt von Korallenriffen, Kokospalmen, wohin man schaut, und eine einzige Strasse, die rund um die Insel führt und mit kleinen Motorfahrrädern erkundet werden kann. Dafür muss man eine spezielle Prüfung ablegen, die von einem gelangweilten Dorfpolizisten abgenommenn wird. „No crime at all around here“, hatte er mir verraten, während er meinen MoFa-Führerschein vorbereitete.

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