Mala, die Wasserträgerin

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Mala, die Wasserträgerin

Mala, die Wasserträgerin

Anita Isiris

Importierter Hummer, Ananas, Palmwein und Nektar hatten seine Sinne umnebelt und ihn träge gemacht. Sechs Monate hatte er Zeit. Sechs Monate, um dem Geheimnis der Farbe menschlicher Haut näher zu kommen.
Neben ihm sass Mala, eine junge Frau aus dem Dorf, mit der er sich nur mühselig verständigen konnte. Vertrauensvoll lehnte sie sich an ihn – die Mädchen hier waren ausgesprochen kontaktfreudig – jedoch nicht auf die „nuttige“ Art, sondern herzlich, offen und freundschaftlich. Die Frauen hier hatten alle einen sehr sanften Hautton, der sehr angenehm mit den dunklen, grossen Augen und dem tiefschwarzen, glänzenden Haar kontrastierte. Nackt hatte Roberto bisher keine von ihnen gesehen, aber auch das würde sich ergeben. Mala verstand wenig englisch – genug jedoch, dass sie einfachen Anweisungen folgen konnte, die ein Maler an sein Modell richtete. Nur knapp konnte Roberto sich beherrschen – er konnte die Weichheit und Wärme dieses Mädchens spüren, ihren Duft riechen und war gebannt von ihrem langen, roten Kleid, von dem sie gelegentlich den Sand abschüttelte. In diesen kurzen Momenten konnte er einen Blick auf ihre langen Beine erhaschen, die – und dessen war er sich gewiss – irgendwo zusammenkommen mussten. Mala hatte drei Schwestern und war Wasserträgerin. Jeden Morgen musste sie früh zum Dorfbrunnen und aus der Zisterne Wasser hochpumpen, das dann in Tonkrüge abgefüllt und an die Familien verteilt wurde. Roberto hatte sie mehrmals beobachtet, um sich mit den Gepflogenheiten der Atollbewohner vertraut zu machen. Mala war unwahrscheinlich anmutig, und der Moment, in dem sie sich bückte, um einen Tonkrug hochzuheben und ihn stolz auf dem Kopf zu balancieren, verschlug Roberto jedes Mal den Atem. Elegant wiegte sie sich in den Hüften und hatte den Gang der stolzen, unnahbaren Naturschönheit, während ihr Kleid die nackten Füsse umspielte.
Besonders aber erregten ihn ihre Achselhaare.

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Wahrhaft exotisch!

schreibt Venus

Gedichte auf den Leib geschrieben