Auch das Essen wäre ein weiterer Grund gewesen wäre, ein Zimmer im Pelikan zu buchen. Nach dem Essen blieben die meisten noch im Speisesaal, unterhielten sich, redeten über ihre Probleme, erläuterten die Gründe, warum sie gerade hierher gekommen waren. Er war nie sonderlich an den Problemen anderer interessiert, überhaupt war er eher ein zurückhaltender Mensch, der insbesondere nach seiner Scheidung gelernt hatte, ganz gut allein zurechtzukommen. Er wünschte schon bald eine gute Nacht, zog sich in sein karges Zimmer zurück und begann in einem der Bücher zu lesen, die er sicherheitshalber mitgebracht hatte. Die Nacht war wie immer, mit anderen Worten, er schlief schlecht und wenig und grübelte lange über den Sinn eines Aufenthalts in einer solchen Anstalt.
Am nächsten Morgen fand das erste längere Treffen mit dem Heiler statt. Er hatte ihn um sieben zu sich bestellt, also noch vor dem Frühstück, obwohl es Sonntag war. Wenn er nun erwartet hatte, dass der Heiler ihm zuhören würde und er endlich seine Beschwerden beschreiben konnte, statt viele Worte zu wechseln, forderte er ihn schon sehr bald auf, sich auszuziehen. Er solle bitte alles, ja wirklich alles, ablegen und es sich dann auf die Untersuchungsliege bequem machen, die mit weißem Papier bezogen war. Er solle sich möglichst entspannen, seine Gedanken in die Ferne richten, während der Untersuchung bitte nicht reden und sich auch über nichts wundern. Dann begann der Heiler seine Arbeit, für die er zunächst nur seine Händen brauchte. Es lag auch nichts bereit, womit er seine Erkenntnisse hätte festhalten können, kein Papier, kein Diktiergerät, kein Laptop. Erstaunlich war auch, dass er die meiste Zeit die Augen geschlossen hielt und leise vor sich hinmurmelte. Er fing mit den Füßen an, tastete sie intensiv ab, drehte sie, dass die Gelenke leise knackten. Dann konzentrierte er sich auf die Zehen, befühlte die Sohlen, drückte hier, stocherte dort mit einem Finger.
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