Gepriesen wurde immer dann, wenn sich der Erfolg eingestellt hatte, die erfolglosen Besuche wurden selten erwähnt. Er selbst sei kein religiöser Mensch und die Verehrung der Heiligen läge ihm fern, aber diese Mächte, diese Wunder, wenn man so wolle, die gäbe es sehr wohl. Wobei, er zögerte einen Moment, es eigentlich keine Wunder seien, die Mächte würden nur den Normalzustand wieder herstellen. Kurz und gut, er solle sich darauf einstellen, die Grotte gleich heute, am frühen Nachmittag aufzusuchen und dort eine Stunde in völliger Dunkelheit und Abgeschiedenheit verbringen. Er müsse allein dort sein, weil auch er, der Heiler, sich diesen Kräften nicht dauernd aussetzen dürfe, sie würden ihm dann mehr schaden als nützen. Er brauche aber keine Angst zu haben, ein einmaliger Besuch würde keine Schäden verursachen. Es sei wie bei einem Glas Sekt oder einem Cognac, in Maßen genossen würde Alkohol anregen, erst in großen Mengen träten die bekannten Probleme auf.
Das Mittagessen am Dienstag nahm er wieder im Hotel Pelikan ein. Die junge Bedienung erkannte ihn zwar, großzügige Trinkgelder wirken nun einmal nachhaltig, sie war aber für seinen Tisch nicht zuständig und so blieb es bei einem freundlichen Zunicken. Dann war es Zeit, in die geheimnisvolle Grotte zu gehen. Er hatte den restlichen Vormittag damit verbracht, sich auf diese seltsame Heilmethode vorzubereiten, hatte sich überlegt, ob es nicht doch besser sei, abzureisen und den Hokuspokus nicht weiter mitzumachen, aber die Tatsache, dass er sich deutlich besser fühlte, seit er hier war, überzeugte ihn letztlich, Was konnte schon passieren, was konnte schon schiefgehen, wenn man eine Stunde in einem dunklen Loch saß, bestenfalls oder schlimmstenfalls gar nichts. Pünktlich klopfte er an die Tür des Büros des Heilers. Er war nur mit einem Bademantel und Hausschuhen bekleidet, denn die Grotte müsse man nackt betreten, alle Kleidung vorher ablegen, so hatte der Heiler es ihm noch am Vormittag gesagt.
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