Allein der Gedanke, seine Zeit in einem Kurmilieu zu verbringen, war ihm ein Gräuel. Er hasste derartige Einrichtungen und noch mehr die Orte, in denen sie sich befanden. Seine Ex-Frau musste öfters kuren und durch seine Besuche und ihre Erzählungen hatte er vieles sehr hautnah mitbekommen. Aber einfach nur Urlaub machen, ohne Betreuung, ohne Programm, war auch nicht das Richtige, schließlich wollte er seine Plagen loswerden und positiv gestärkt zurückkommen. Er besorgte sich ein paar geeignete Zeitschriften, zappte sich im Internet durch entsprechende Angebote und Kurse, es gab viele, die das Wohlbefinden stärken sollten, las die euphorischen Berichte der Teilnehmer über Kreativkurse, Einführungskurse in vegane Ernährung, Yoga für Anfänger und war schon fast entschlossen einen Crashkurs für autogenes Training zu buchen. Nichts sagte ihm voll zu, irgendwo war immer ein Haken und so wollte er schon seine Aversion gegen Wellnesshotels überwinden, als ihm eine sehr schlichte, etwas ungeschickt gemachte Anzeige in einem Wohlfühlblättchen auffiel. Es war eigentlich nur der Name der Einrichtung, der seine Aufmerksamkeit fesselte: "Maria Trost". Diesen Namen kannte er gut, aber er hatte ihn schon lange nicht mehr, fast seit seiner Jugend, nicht mehr bewusst wahrgenommen. Aber damals war er ihm sehr vertraut. Als er ihn jetzt wieder las, erinnerte er sich sofort, wie er auf dem mühsamen Weg am frühen Morgen aus dem hochgelegenen Dorf, in dem er aufwuchs, hinab in das Tal zum Bahnhof immer an Maria Trost vorbei kam und nachmittags, auf dem Weg zurück nach Hause, natürlich noch einmal. Er musste, außer in den Ferien, an jedem Werktag in das Gymnasium in der Kreisstadt, Schulbusse waren damals weitgehend unbekannt und die einzige regelmäßige Verbindung zur Stadt war die Eisenbahn im Tal. Mit diesen Erinnerungen kamen weitere nostalgische Gefühle auf.
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