Sollte das alles sein, nichts Spektakuläres, würde sich dieser Aufenthalt wirklich lohnen? Er war doch kein Kind mehr, das an allerlei Brimborium glaubte. Doch noch während er dabei war, über okkulte Phänomene nachzudenken, die in unserer aufgeklärten Zeit wohl fehl am Platz waren, geschah doch etwas, etwas das ihn deutlich verunsicherte.
Ein plötzlicher, heftiger Windstoß löschte die Flamme, tiefste Schwärze umgab ihn. Er war nicht nur irritiert, sondern auch verärgert und machte sich Vorwürfe, weil er keine Streichhölzer mitgenommen hatte und noch mehr weil ihm der Heiler keine mitgegeben hatte, der hätte doch wissen müssen, dass so etwas passieren könnte. Aber er hatte keine Zeit, diesen Gedanken weiter zu verfolgen, denn der Wind wurde immer heftiger und kälter. Dazu gesellten sich heulende, von der Zugluft verursachte Geräusche, wie man sie aus Kaminen und Schloten kennt. Bald hörte es sich an, wie eine Meute hungriger Wölfe in der sibirischen Taiga oder jagender Coyoten in der Prärie, diese Bilder fielen ihm jedenfalls ein. Er fröstelte, kauerte sich zusammen, suchte mehr Schutz vor der Kälte, vor einem imaginären Angriff, indem er sich klein machte. Doch dann spürte er, wie seltsame Wallungen durch seinen Körper pulsierten, wie das Blut wärmer zu werden schien, wie seine innere Wärme deutlich zunahm, während die äußere Kühle deutlich abnahm.
Sein ganzer Körper fing an zu schwitzen, immer stärker, der Schweiß rann nur so an ihm herunter. Auf einmal tauchten die absonderlichsten Gedanken in seinem Gehirn auf und wurden zu Bildern, die vor seinen Augen erschienen, vor seinen offenen Augen, deutliche Bilder in dieser absoluten Finsternis. Erst Bilder von kopulierenden Tieren, von Löwen, Pferden, Rindern, Hunden, die voller Saft und voller Kraft sich paarten. Dann Bilder von nackten Frauen in eindeutigen, lasziven Posen, die auf ihn warteten, die sich ihm hingeben wollten, die für ihn bereit waren, nur für ihn.
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