Maria Trost

7 42-65 Minuten 0 Kommentare
Maria Trost

Maria Trost

Yupag Chinasky

There are more things in Heaven and Earth, Horatio,
than are dreamt of in your philosophy

William Shakespeare - Hamlet

Sie taucht vor ihm auf, tanzte auf einem runden Tisch, setzt alles daran, ihn auf ihre überbordende Weiblichkeit aufmerksam zu machen, schließlich legte sie sich auf diesen Tisch und sie trieben es miteinander. Als Nächstes erschien die fast undefinierbare Gestalt einer schwarzen Nutte, die in der Dunkelheit kaum sichtbar war und sich ihm mit leisen Wisperlauten anpries, ein billiges, schnelles Vergnügen signalisierend. Und dann war auf einmal zu seiner eigenen Überraschung die gertengleiche, biegsame Gestalt des jungen Mädchens aus dem Hotel vor seinen Augen, die Bedienung, die ihm so freundlich zugelächelt hatte, fast noch ein Kind, ohne ausgeprägte Kurven. Sie schmiegte sich an ihn und liebten sich sanft. Doch das waren die einzigen Momente der Zärtlichkeit, die ihm gegönnt waren, denn alsbald erfasste ihn wieder dieser teuflische Sog, der wilden, animalischen Sexualität, der ihn wie eine gewaltige Meeresströmung in die Tiefe drückte oder wie ein gewaltiger Tornado hoch in den Himmel hob. Und dann war auch wieder die Angst da. Was, wenn er diesem Sog nicht mehr entkommen könnte, wenn die Lust direkt in den Tod übergehen würde, diese immense Lust, die er auskostete, die immer neue Begierden gebar. Was, wenn er diese nicht mehr befriedigen könnte, was dann? Aber das war auch das Letzte, was er noch bewusst wahrnahm, was er spürte, was er selbst steuern und beeinflussen konnte. Alles, was dann geschah, spielte sich in seinem Unterbewusstsein ab, in einer undefinierten Traumwelt, im Bardo der Tibeter, in einer Zwischenwelt des Lebens und des Todes. Es waren aber mehr als nur normale Träume, die ihn weiterhin heimsuchten, es muss viel mehr gewesen, es müssen aufregende Dinge passiert sein, wunderbare, schreckliche, denn als er erwachte, war sein Kopf voll mit Bildern, mit Eindrücken, mit Erinnerungen, die aber sofort verschwanden, als er sie fixieren wollte, als er sie auskosten, sie noch einmal sehen, über sie nachdenken wollte.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 9435

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben