Maria Trost

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Maria Trost

Maria Trost

Yupag Chinasky

There are more things in Heaven and Earth, Horatio,
than are dreamt of in your philosophy

William Shakespeare - Hamlet

Es war nun wieder wie im richtigen Leben, man wacht auf, sieht noch einen kurzen Moment das Traumgeschehen, dann ist es aber schon verschwunden, aus dem Gedächtnis gelöscht. Er wachte auf, weil ihn jemand angefasst und geschüttelt hatte. Er wusste sofort, dass es der Heiler war, der ihn mit einer Taschenlampe anstrahlte und ganz ruhig sagte, das alles gut sei, dass jetzt alles überstanden sei und sie wieder hochsteigen könnten, zurück in die Welt, zurück in sein reales Leben, obwohl alles, was er hier erlebt habe, auch real sei, sehr real sogar.

Oben, in der Welt des Realen, des vertraut Realen, wieder angekommen, fühlte er sich sehr schwach und erschöpft. Er hatte nur noch den dringenden Wunsch, in sein Zimmer zu gehen, sich auf sein Bett zu legen und sich weiter diesen seltsamen, aufregenden Träumen hinzugeben, die ihn immer noch umtrieben, die ihn noch gefangen hielten, obwohl die Details aus seinem Bewusstsein verschwunden waren. Er hoffte, diese Scheinwelt zurückholen zu können, noch einmal das nachzuerleben, was ihn in der Grotte übermannt hatte, noch einmal diese Glücksgefühle auszukosten und das große Verlangen zu spüren. Aber waren es überhaupt Glücksgefühle oder war es letztlich nur eine grotesk überdrehte Angst? Eine Angst, die er auch deutlich gespürt hatte, nicht die vor dem Versagen, sozusagen die normale Angst der Männer, sondern die, nicht mehr aufhören zu können, diese Scheinwelt nicht mehr verlassen zu wollen. Der Heiler, mit dem er auf dem Weg nach oben kurz sprach, war mit dem Resultat des Grottenbesuchs sichtlich zufrieden und zeigte auch volles Verständnis für seinen Wunsch einerseits nach Ruhe, andererseits nach weiteren Träumen. Er solle sich ausschlafen, die Erschöpfung sei normal, am nächsten Tag könnten sie weiterreden, obwohl es eigentlich nicht mehr viel zu bereden gäbe, denn nun sei geschehen, was geschehen sollte und alles werde jetzt wieder gut.

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Gedichte auf den Leib geschrieben