Das Gebäude war schon von seinem Aussehen her ziemlich geheimnisvoll, um nicht zu sagen unheimlich, ein dunkel angestrichener, wenig strukturierter Block, umgeben von hohen Fichten. Er war jedenfalls immer froh gewesen, wenn er das seltsame Haus hinter sich gebracht hatte.
Irgendwann, er hatte die Schule schon längst beendet und lebte weit weg von seinem Dorf, hatte er doch noch einmal etwas über Maria Trost gehört. Das Nonnenheim sei geschlossen worden, hatte ihm ein alter Schulfreund erzählt, zu dem er losen Kontakt pflegte. Es sei zu Unregelmäßigkeiten gekommen, ein Verwalter habe Gelder veruntreut. Aber das sei nicht das Problem gewesen, weil ja die reiche Kirche damals dahinter stand, nein, es sei zu einem seltsamen Todesfall gekommen. Es seien, wie er ja selbst noch wisse, nicht nur Exerzitien durchgeführt worden sondern auch Exorzismen, also nicht nur geistliche Übungen sondern auch Aktionen gegen den Teufel und bei solch einer Aktion, also unter sehr mysteriösen Umständen, sei eine junge Frau ums Leben gekommen. Der Staatsanwalt habe ermittelt und die Folge sei gewesen, dass der Betrieb, der ohnehin immer ein Zuschussgeschäft gewesen sei, eingestellt worden war. Das war der Stand seines Wissens, als er die Anzeige sah, aber anscheinend war das Haus wieder in Betrieb genommen worden und wurde als Stätte der Einkehr und der Heilung angepriesen. Es sei ein ganz besonderer Ort mit einer großen Wirkung auf Leib und Seele. Es sei ein power place, durchaus vergleichbar mit heiligen Orten im Fernen Osten. Es sei bewiesen, dass unter der kundigen Leitung des Pächters, eines ausgewiesenen Heilpraktikers, Leute genesen seien, die bereits alle Hoffnung aufgegeben hatten. Schon ein Aufenthalt von einer Woche könne Wunder bewirken, hinzu käme die wunderschöne Landschaft, die absolute Ruhe und eine biologisch ausgewogene Ernährung.
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