Er erinnerte sich auch noch gut an den Pelikan, den er auch fast täglich gesehen hatte, damals galt es als ein sehr gutes Haus, vielleicht war es das immer noch. Aber nun gut, eine Woche würde er es auch hier aushalten, viel mehr als schlafen müsste er hier ja nicht und dabei würde ihn die Enge und Kargheit nicht weiter stören. Er war von Natur aus genügsam und konnte seine Ansprüche den jeweiligen Gegebenheiten gut anpassen.
Dann war es auch schon zwanzig vor sieben und somit Zeit in das Büro zu gehen, um den Heiler persönlich kennenzulernen. Er wollte ihn nicht gleich beim ersten Treffen wegen Unpünktlichkeit vergrätzen. Das Büro war groß und geschmackvoll eingerichtet, eine Kombination aus Büro- und Behandlungsraum, mit einem breiten Schreibtisch und vielen Büchern an den Wänden, aber auch mit einer dieser Untersuchungsliegen, die man von Arztpraxen her kennt. Der Mann selbst, der ihm freundlich die Hand schüttelte und ihn bat Platz zu nehmen, war eine durchaus sympathische Erscheinung. Anders als die seiner dünnstimmigen, dünnlippigen, etwas verhuscht wirkenden Frau, war seine Stimme volltönend, fast dröhnend, wenn er in Fahrt geriet und er sah auch deutlich besser aus, als sie. Ein Mann, so um die sechzig, groß gewachsen, mit einem gepflegten, kurzen Vollbart und einer weißen Mähne. Ein Mann, der vom ersten Moment der Begegnung an, eine seltsame, unbestimmte, aber deutliche Wirkung auf ihn ausübte. Ein Mann, dem er ohne nachzudenken vertrauen würde und das war vielleicht die wichtigste Voraussetzung, die ein Mensch braucht, der andere heilen will. Er hätte gut ein Mediziner oder ein Psychiater sein können, war aber, wie er später erfuhr, gelernter Großhandelskaufmann, der sich alles, was er nun in seinem neuen Beruf brauchte, selbst beigebracht hatte. Er erfuhr dann auch noch, dass weder der Heiler, noch das Haus in einer Beziehung zum Kloster standen.
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