Sie wusste, dass sie beobachtet wurde. Maria stand immer unter Beobachtung. Die älteren Herren hatten den ganzen Tag über nichts anderes zu tun als Vögel zu beobachten. Vögel, Bäume, Blumen, Wolken. Und, klar, Frauen. So es denn welche gab. Maria war nicht bewusst gewesen, dass Frauen, die Wäsche hängen, der Brennpunkt männlicher Gedankenausflüge sein können. Der gestreckte Körper, die verführerischen, rasierten Achselhöhlen, der Rock, der sich über Busen und Hintern spannt, das Stehen auf Zehenspitzen... und, vielleicht als Sahnehäubchen, das von der Abendsonne durchleuchtete Haar... Maria kannte derartige Männergelüste nicht. Ihre Partner waren allesamt hart arbeitende Männer gewesen, ohne Sinn für Musse. Aufstehen, malochen, Abendessen, Tagesschau, ein Bierchen obendrauf und dann vielleicht ein bisschen bumsen. Oder auch nicht. Dann wurde eben in der Playboy und der Penthouse geblättert. Was Männer anging, war Maria längst ohne Illusionen. Auch Kinder hatte sie sich abgeschminkt – mit keinem der Typen hätte sie sich eine Familie vorstellen können. Sie war mit ihren knapp dreissig Jahren noch viel zu jung um zu resiginieren – aber sie fühlte sich bereits zu alt, um auf die Pirsch zu gehen. In Bars wurde sie ohnehin nur billig angemacht, im Kino starrten die Männer nach vorn anstatt zur Seite, und im Warenhaus drehte sich die gesamte Kommunikation um Körbchengrössen, lila T-Shirts, von denen eine bestimmte Grösse gerade nicht verfügbar war, und gestreifte Boxershorts. Doch, doch, den Boxershorts konnte sie eine gewisse Freude abgewinnen. Süss fand sie es immer, wenn Männer ihre Freundinnen zum Unterwäschekauf mitnahmen und sich von ihnen beraten liessen. Frauen waren deutlich hemmungsloser, was das Beraten anging - “für sowas hast Du einfach keinen Arsch” - Männer waren verhaltener. "Doch, doch, steht Dir gut."
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