Allerdings waren solche Feierabendgelegenheiten wie diese hier in einem Rentnermännerleben sehr selten – und der fröhliche Herr Linzer mochte sich Marias Reize nicht entgehen lassen. Er fand sie interessant – nicht unbedingt in sexueller Hinsicht, denn diesbezüglich machte er sich auch keine Hoffungen – er fragte sich aber, wie eine junge Frau wie sie in einer Dreiraumwohnung lebte. Was für Bilder wohl an den Wänden hingen? Wie sie ihre Küche eingerichtet hatte? Was für Döschen, Puderquasten und sonstige Utensilien in ihrem Badezimmer standen? In was für Bettwäsche sie sich legte? Oh, Herr Linzer hatte Frauen schon immer gemocht – natürlich auch seine verstorbene Gattin Hermine. Sie hatte wunderbar gekocht, die Hermine, und sie hatte nur einen einzigen Fehler gehabt. “Liebe machen gibt es bei mir nur im Dunkeln”, hatte sie ihn stets ermahnt und jedes Mal ohne ein weiteres Wort das Licht gelöscht. Wie gerne hätte er einmal in ihre leuchtenden Augen geschaut, ihre schwingenden Brüste beobachtet, während er in sie stiess. Wie gerne hätte er sie einmal genauer untersucht! Alle diese Spielchen, die Männerseelen bewegen, waren ihm bei Hermine aber verwehrt geblieben. Kurz nach ihrem Tod hatte er sich mit sehr schlechtem Gewissen ein paar Sexvideos besorgt. Mit schalem Gefühl hatte er dann im Bett gelegen und Traci Lords betrachtet, Traci Lords mit ihrem Kussmund, der wilden Mähne und den unsäglich langen Brustwarzen, an denen während ihrer Pornokarriere so mancher Japaner, Afrikaner und Euroäer gelutscht hatte. Immer hatte er aber die stechenden Blicke seiner Hermine gespürt, die ihm bestimmt von irgendwoher zusah.
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