Mariangela - die Tavernentochter

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Mariangela - die Tavernentochter

Mariangela - die Tavernentochter

Anita Isiris

In Gedanken der Tavernenbesucher war Mariangela längste eine Metze, „eine von denen“ – und es war diese Form von Verachtung, die den Männern darüber hinweg half, dass Mariangela eine kratzbürstige, für sie uneinnehmbare Festung war. „Mariangela, Tochter“, sagte ihre blasse, überarbeitete Mutter oft. „Wir müssen einen Gemahl für dich finden. So geht es nicht weiter“. Seufzend rührte sie im Eintopf und sehnte sich nach einer würdigen Hochzeit für ihre einzige Tochter, wenngleich das kleine Vermögen, über das die Familie verfügte, dadurch arg strapaziert würde. Nino, Mariangelas Vater, sah das anders. Ihm war es lieber, dass Mariangela für immer „seine“ Tavernentochter blieb, dass sie ihm niemand wegnahm, und er wäre lieber im Tiber ertrunken, als dass er sie einem der Dorfbewohner, die um sie buhlten, übergeben hätte.

Dann entdeckte Mariangela eines Abends vor dem Einschlafen den „kleinen Tod“. Ihre Bettdecke hatte sie an einer empfindlichen Stelle gestreift, und Gänsehaut hatte ihren Körper überzogen. Sie hatte ihr Hemd hochgeschoben und an sich gespielt – im Wissen, dass sich das für eine gläubige Christin nicht geziemte. Von kirchlicher Seite war es den Frauen sogar untersagt, sich an ganz bestimmten Stellen zu waschen, weil diese als derart sündig galten. Auch darüber setzte Mariangela sich hinweg. Sie liess den besagten Stellen sogar Wasser zukommen, das in weiten Kreisen als schädlich galt. Eine alte Hebamme, mit der Mariangela befreundet war, hatte ihr aber empfohlen, gerade zwischen den Beinen reinlich zu bleiben – der Gesundheit zuliebe. Weil die alte Frau auch kräuterkundig war und sehr wohl wusste, wie etwa Ringelblumensalbe einzusetzen war, vertraute ihr Mariangela und sie hatte tägliche Waschungen ihrer Vulva in ihr Körperpflege-Ritual eingebaut.

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