Mariangela liebte das Abenteuer. Sie war jung, voller Feuer, voller Lust und konnte nicht genug davon bekommen, sich berühren und beäugen zu lassen. Nachdem sie ihrer Mutter ein kühlendes Tuch auf die Stirn gelegt und ihr einen Kräutertee zubereitet hatte, ging sie eine weitere Nacht lang erwartungsvoll ihrer Arbeit nach. Ritter Kuno bestellte bereits den dritten Weinkrug, und mit jedem Schluck wurde sein Blick zu ihr hin verlangender. Als sie in die Küche eilte, begegnete sie unter dem Eingang ihrem Vater. „Lass ihn nicht länger warten“, sagte dieser entschieden und schob Stefano zur Seite, um seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen. „Ich soll…“. Mariangela errötete. „Ja, Du sollst. Noch heute Nacht“. Nimm ihn mit in Deine Kammer, aber verlange eine gehörige Anzahl Münzen.“ Damit wandte ihr Vater sich wortlos ab.
Mariangela wusste dank Stefano ja, was sie von der männlichen Lanze zu erwarten hatte, nämlich pure Lust. Und möglicherweise würde der Ritter sie tatsächlich ehelichen wollen und ihrem Vater das Einverständnis abringen. Mit einem frischen Weinkrug ging sie nach draussen, nicht nachdem sie ihr schwarzes Kleid um einen weiteren Knopf geöffnet hatte. Sie zeigte so den grössten Teil ihres Busens, was ihr der Herrgott bestimmt verzieh, weil sich über Trastevere Wolken zusammenzogen und die Nacht demnächst hereinbrechen würde. Sie beugte sich zu Ritter Kuno hin, so, dass dieser nicht umhinkonnte, sein Gesicht beinahe in Mariangelas Oberweite zu vergraben. Stefanos Kehle wurde trocken, als er das sah.
Erneut befreite er sein Gemächt und rieb an sich, während Mariangela sich lachend und kichernd mit dem Ritter unterhielt. Sie setzte sich nicht zu ihm, weil ihr das nicht geziemt hätte, aber körperliche Nähe liess sie dennoch zu. Allmählich wurden auch die anderen Besucher aufmerksam, und vor allem die Dorfbewohner warfen Ritter Kuno hasserfüllte Blicke zu. Intuitiv spürten sie, dass der deutsche Ritter ihnen ihre geliebte Mariangela, diesen widerspenstigen, ungeschliffenen Diamanten, wegnehmen könnte.
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