Außer Marie und den beiden Damen befand sich nur noch ein älterer Herr im Abteil, der gerade ein Nickerchen machte und nichts von alldem mitbekam. Marie bedauerte Cordula. Sie kannte die Leiden, die das Mädchen durchmachte, aus eigener Erfahrung. Die Gouvernante verließ das Zugabteil, um die Toilette aufzusuchen. Der Waschraum befand sich außerhalb, direkt neben dem Abteil der ersten Klasse. Marie nutzte die Gelegenheit, um Cordula anzusprechen, nachdem die Anstandsdame das Abteil verlassen hatte.
„Mir scheint, dass du Schmerzen leidest. Vielleicht magst du ein Kissen, das für Erleichterung sorgt? Es ist sehr klein. Du könntest es unbemerkt unterschieben, ohne dass deine Erzieherin etwas bemerkt.“
Cordulas Gesichtsfarbe erinnerte Marie an eine überreife Tomate. Marie hielt ihr ein mit Samt bezogenes Sitzkissen hin, das Cordula mit zitternder Hand entgegennahm.
„Vielen Dank, das ist sehr freundlich von Ihnen. Fräulein Behrens ist sehr konservativ und behandelt mich wie ein Kind, obwohl ich bereits 19 Jahre alt bin.“
Cordula erhob sich, um das Kissen auf den Platz zu legen. Nachdem sie sich vorsichtig daraufgesetzt hatte, schenkte sie Marie ein dankbares Lächeln.
„Oh, das ist viel besser. Fräulein Behrens hat mich gestern mit dem Rohrstock bestraft und ich spüre jede Erschütterung, die der Zug verursacht.“
Marie schmunzelte. „Bist du denn so ungezogen, dass deine Erzieherin gleich zum Stöckchen greifen muss? Ich hätte dich zuerst einmal übers Knie gelegt und dir mit der flachen Hand den Hintern versohlt.“
Maries offene Rede, die unverblümt gewisse Dinge beim Namen nannte, verunsicherte Cordula. Sie war gebannt von der schönen Dame, die auf Cordula den Eindruck machte, als könnte sie in ihr Innerstes blicken. Nun rang sie nach Worten, um auf Maries Frage eine Antwort zu finden.
Marie, Aglaia und der Reiz des Verbotenen
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Marie, Aglaia und der Reiz des Verbotenen
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