Cordulas schelmisches Lächeln blieb Marie lange im Gedächtnis. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie die Sehnsucht des Mädchens erkannt hatte. Cordula sollte bald einmal erleben, dass es auch lustvolle Hiebe gab, die mit denen von Fräulein Behrens Hand nichts gemein hatten.
Marie entdeckte eine Kraftdroschke, als sie mit ihrem Koffer am Bahnhof stand. Sie winkte dem Fahrer, der ihr das Gepäckstück abnahm. Der hilfsbereite Mann verstaute ihren Koffer in seiner Taxe, ehe er Marie die Türe aufhielt.
„Wo wollen sie denn hin, gnädiges Fräulein?“
Marie nannte ihm Aglaias Adresse, worauf der Mann grinste. „Ins Künstlerviertel also. Da haben sie sich den Stadtteil von Berlin ausgesucht, in dem am meisten los ist.“
Marie verzichtete auf eine Antwort. Sie war viel zu gespannt auf das Wiedersehen mit Aglaia. Sie war tief in ihre Gedanken versunken, als der Fahrer ihr mitteilte, dass sie am Ziel waren. Marie gab dem Mann ein gutes Trinkgeld, nachdem sie den Fahrpreis beglichen hatte. Er trug ihren Koffer bis zur Haustür, um sich dann mit einem Ziehen seiner Schiebermütze zu verabschieden.
„Ich wünsche Ihnen viel Spaß in Berlin, Fräulein!“, rief er ihr zu.
Marie winkte ihm zu, als er mit seiner Taxe davonfuhr. Sie brauchte nicht einmal den Klingelknopf zu drücken. Aglaia öffnete die Türe und umarmte Marie. „Endlich bist du da. Ich freue mich so, dich wiederzusehen!“ Aglaia bestand darauf, Maries Koffer ins Haus zu tragen. Als sie das Wohnzimmer betraten, entdeckte Marie einen sehr gutaussehenden Mann, der sie neugierig ansah.
„Das ist Jürgen, ein guter Freund von mir. Wir planen eine gemeinsame Vernissage, bei der wir unsere Bilder ausstellen wollen.“
Der schwarzhaarige Mann verbeugte sich vor Marie.
„Guten Tag, meine Liebe. Aglaia hat mir schon einiges über sie erzählt und ich freue mich sehr, dass ich sie kennenlernen darf.“
Marie, Aglaia und der Reiz des Verbotenen
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Marie, Aglaia und der Reiz des Verbotenen
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