Marie, Aglaia und der Reiz des Verbotenen

7 6-10 Minuten 0 Kommentare
Marie, Aglaia und der Reiz des Verbotenen

Marie, Aglaia und der Reiz des Verbotenen

Andreas

Sie fühlte sich frei. Marie saß entspannt in ihrem Zugabteil, das dem Status der ersten Klasse entsprechend sehr komfortabel ausgestattet war. Durch die blank geputzten Glasfenster konnte man endlose Felder und Wiesen betrachten, die auf Maries Nerven wie ein Sedativum wirkten. Marie lächelte, als sie sich kurzerhand aufrichten musste, um eine angenehmere Sitzposition zu finden. Die mit rotem Plüsch bezogenen, gut gepolsterten Sitzplätze boten eigentlich keinen Anlass zur Klage, doch Marie litt noch immer unter Doras Abschiedsbehandlung. Ihr brennendes Hinterteil erinnerte sie an diese letzte lustvolle Nacht in Ostpreußen. Nun war die schöne Frau auf dem Weg nach Berlin, wo Marie ihre Freundin Aglaia besuchen wollte. Es lag einiges an Verwerfungen und persönlichen Enttäuschungen hinter ihr, die Marie liebend gern schnell vergessen hätte. Leider war dies nicht ganz so einfach. Die Beziehung zu Gero von Kottwitz entpuppte sich als Irrtum, den Marie noch immer bedauerte. Um auf andere Gedanken zu kommen, lächelte sie einem vielleicht 18-jährigen Mädchen zu, das ihr gegenüber neben einer älteren Dame saß. Die hübsche Blonde wirkte verschnupft und Marie glaubte, den Grund erraten zu können. Das arme Mädel konnte kaum stillsitzen und rutschte von einer Pobacke auf die andere. Der strenge, zufriedene Blick der älteren Dame bestätigte Maries Mutmaßungen. Sie wäre jede Wette eingegangen, dass die herrisch wirkende Frau ihre Pflichten als Gouvernante sehr ernst nahm. Als die hochgewachsene Dame das Mädchen ansprach, wusste Marie, dass sie richtig lag.
„Bleibe bitte ruhig auf deinem Platz sitzen, Cordula. Es ist einer jungen Dame unwürdig, ständig hin und herzurutschen. Reiß dich also bitte etwas zusammen!“
Die junge Frau senkte den Blick, um ihre Schamröte zu verbergen.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 260

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben