Marie empfängt das Birkenlieschen

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Marie empfängt das Birkenlieschen

Marie empfängt das Birkenlieschen

Andreas

„Komm mit mir in den Garten. Wir haben einiges zu tun. Lieschens Besuch braucht Vorbereitung, lass uns keine Zeit verlieren!“ Schon nahm sie das Mädchen bei der Hand, eilte mit ihr aus dem Zimmer. Arm in Arm schlenderten sie durch die parkähnliche Gartenanlage. Dora hatte ein bestimmtes Ziel vor Augen, das auf einer Wildblumenwiese stand. Marie staunte, als die Gouvernante eine Gartenschere hervor holte, und sie ihr in die Hand drückte. Dora deutete auf die stattliche Birke, deren Zweige ihr Haar berührten. Die Erzieherin versetzte dem zögernden Mädchen einen aufmunternden Klaps: „Auf geht’s, mein Schatz! Du wirst jetzt selbst ein paar Reiser schneiden, die wir dann zu Deiner ganz eigenen Rute verarbeiten werden. Hier, diesen schlanken, biegsamen Zweig kannst Du gleich nehmen!“ Die junge Frau ging mit großem Eifer an die Arbeit. Schon bald hatte sie etliche Birkenreiser vor sich auf der Wiese liegen, die nur noch eingesammelt werden mussten.

Etwa 20 Meter entfernt harkte ein alter Mann die Wege. Es war Heinrich, der seit ewigen Zeiten auf dem Gutshof arbeitete. Der bald Siebzigjährige verfolgte aufmerksam das Treiben der beiden Damen. Er kannte Marie seit Kindesbeinen, hatte sie oft in seiner Schubkarre spazieren gefahren. Als er sah, wie sie die Reiser aufhob und ihrer Gouvernante übergab, konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Armes Mädchen…“, dachte er bei sich, „kriegst wohl Besuch von der Birkenliesel! Da wird Dein Popochen zu leiden haben. Die Birkenzweige stehen voll im Saft, beißen bestimmt ganz gemein.“ Er setzte wieder seinen Rechen in Bewegung, der ihn von dem ungewohnten Druck in seiner Hose rasch ablenkte.

Madame war mit Maries Ausbeute sehr zufrieden. Sie hatten genug Reiser beisammen, um daraus eine tüchtige Zuchtrute fertigen zu können. Die beiden Frauen waren sehr angespannt, wenn auch aus ganz verschiedenen Gründen.

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