Die beiden verabredeten sich zu diesem Zeitpunkt im Foyer des Hotels. Marie wusste noch nicht, wie sie Doras Aufsicht entkommen sollte. Sie war sich aber sicher, dass es ihr irgendwie gelang. Mittlerweile hatte Dora die Formalitäten erledigt. Die Pagen brachten die Koffer in die Zimmer der beiden Frauen. Auch Hans und Antonio erhielten ein üppiges Trinkgeld für ihre Dienste. Dora bemerkte nicht, dass der Dunkelhaarige ihrem Schützling zuzwinkerte. Die Verschwörung war in vollem Gange. Dora ging früh zu Bett an diesem Tag, gleich nach dem Abendessen. Sie war müde, fühlte sich richtig schläfrig. Maries Stunde war gekommen, als sie sich kurz vor 21 Uhr aus dem Zimmer schlich. Im Foyer des Hotels wartete schon Antonio, der darauf achtete, nicht das Misstrauen des Portiers zu erwecken. Marie folgte ihm unauffällig, als er in einem Seitentrakt des Excelsiors verschwand. Keine fünf Minuten später befand sie sich schon in Antonios winzig kleiner Kammer.
Der sperrte die Tür zu, ließ vorsichtshalber den Schlüssel im Schloss stecken. Sein Blick war durchdringend, fand Marie. Er betrachtete sie von allen Seiten, als hätte er noch nie ein junges Mädchen gesehen. Marie sah ihm frech in die Augen. Das Mädchen glühte vor lauter Übermut.
„Was würde wohl deine Mama sagen, wenn sie wüsste, dass du bei mir in der Kammer bist?“
„Sagen würde sie da nicht so viel, aber handeln schon. Frag lieber nicht danach, Toni…“
Marie hoffte insgeheim, dass er mehr wissen wollte. Toni tat ihr diesen Gefallen.
„Bella ragazza, du machst mich neugierig. Sie wird dich doch nicht etwa…Nein, das glaube ich nicht. Du bist doch kein kleines Mädchen mehr, Marie. Mama gibt dir bestimmt Hausarrest, wenn sie es erfährt…“ Marie lächelte vielsagend, klopfte sich dabei mit der Hand auf die Kehrseite.
„Das auch…aber vorher bekomme ich…ach, kannst du dir das denn nicht denken…?“
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.