Fritz war selbstredend einverstanden, Maries Eltern besuchten an jenem Abend eine Theatervorstellung, bei der pikanterweise “Der Widerspenstigen Zähmung“ gegeben wurde. Es herrschten also ideale Verhältnisse, da Maries Papa seine geliebte Bibliothek nicht selbst in Anspruch nehmen konnte. Dunja spürte eine riesige Aufregung, die sie dem kommenden Abend verdankte. Sie grübelte, was sie anziehen sollte, um Dora zu gefallen. Marie schlug etwas Klassisches vor, das ihre Erzieher begeistern sollte. Dunja staunte, als Marie ihr ein Matrosenkleid reichte. „Es sollte dir passen, Dunja, da Dora es nach deinen Maßen hat schneidern lassen.“ Dunja strich über den marineblauen Stoff. Das Oberteil erinnerte an die Uniform eines Matrosen, was auch den Namen des Kleides erklärte. Marie hielt ein identisches Kleid in den Händen, da Dora gleich zwei in Auftrag gegeben hatte. Dunja und Marie erinnerten sich an ihre Zeit als Jugendliche, wo sie solche Matrosenkleider getragen hatten. „Wir werden also wieder zu Backfischen, Marie. Meine Güte, mir kribbelts an einem besonderen Körperteil, sobald ich dieses Kleid betrachte.“ Maries Lachfältchen verrieten Dunja, dass es ihr ähnlich ergehen musste. Marie gab dies auch unumwunden zu. „Oh ja, das kann ich bestätigen! Mir juckt nämlich auch schon gewaltig der Popo, wenn ich an unseren ersten Unterrichtsabend denke!“ Die Frauen kicherten. Dunja und Marie benahmen sich so, wie es aufgeweckten, jungen Mädchen gerade einfällt. Das helle Gelächter vertrieb die Trauer aus Dunjas Gesichtszügen, die sich immer mehr aufhellten. Sie umarmte Marie so fest, als wollte sie ihre Freundin nie mehr freilassen. Marie freute sich, dass es Dunja endlich wieder besser ging. Dunja nahm das Kleid mit, das sie sich für den morgigen Tag zurechtlegte. Sie war nervös. Der Unterricht sollte um 20 Uhr beginnen und die Frauen kannten Doras Auffassung von Pünktlichkeit.
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