Marie wehrte sich vehement gegen dieses Vorhaben, legte lautstarken Protest dagegen ein.
„Nein! Um Himmelswillen, das möchte ich nicht. Ich schaff das schon, wenn ich ganz schnell laufe…“
Marie war sich nicht sehr sicher, ob das zutraf. Es rumorte gewaltig in ihr. Sie wimmerte: „Bitte, bitte…lassen sie mich doch gehen…ich kann nicht länger…bitte Madame…ich muss doch…“
Sie versuchte aufzustehen, um die Tür zu erreichen. Dora hielt sie an der Hand fest. „Sei nicht albern, Marie! Bis du im Erdgeschoß bist, ist das Unglück schon geschehen. Sei ein braves Mädchen und setz dich auf dein Töpfchen! Schämen brauchst du dich vor deiner Gouvernante ganz gewiss nicht.“
Marie überlegte, entschied sich dann für das Naheliegende. Mit fest zusammengepressten Backen ließ sie sich von Dora zu dem besagten Topf geleiten. Die Gouvernante half ihr beim Hinhocken, bis der Mädchenpopo auf der Porzellanschüssel thronte. Dora streichelte Maries langes Haar, als die sich endlich erleichtern durfte. Sie war nun wieder die mitfühlende Freundin, die nur Maries Bestes im Sinn hatte. Marie versank in ganz unterschiedlichen Empfindungen. Sie schämte sich, während sie der Vorgang gleichermaßen erregte. Mit einem befreiten Gesichtsausdruck gab sie die zuvor aufgenommene Flüssigkeit wieder von sich. Es hatte eine fast kathartische Wirkung auf Marie. Dora behandelte sie wie das kleine Mädchen, das sie im Grunde immer noch sein wollte. Zumindest an Tagen wie diesen, wenn ihr alles zu viel wurde. Dora war ihre Vertraute, konnte sowohl die Rolle der Geliebten ausfüllen, als auch eine Art Mutterersatz sein. Sie war ihre wichtigste Bezugsperson. Friedrich Falkmann kam ihr in den Sinn. Auch für ihn empfand sie ehrliche Liebe. Marie stellte sich vor, dass Fritz von ihrer Misere erfuhr. Was würde er wohl denken, könnte er seine Zukünftige so sehen?
Marie und das Klistier
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Marie und das Klistier
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