Das war es, was sie sich immer gewünscht hatte. Am selben Abend noch schrieb sie Fritz einen langen Brief, bat ihn um etwas mehr Zeit. Sie müsse sich erst klarwerden, ob sie seine Frau werden wolle, und dafür brauchte sie räumlichen Abstand zu ihm. Fritz sollte den Brief erst erhalten, wenn Marie und Dora im Zug nach Wien saßen. Da er bei einem Freund zu Besuch war, stand diesem Vorhaben nichts im Wege. Dora erklärte Maries Eltern, dass das Mädchen in einer Krise sei, und dass sie mit ihr zur Erholung nach Wien reisen wollte. Die Erlbachs waren einverstanden, da sie ihre Tochter bei Dora in guten Händen wussten. So waren die Vorbereitungen getroffen, und die beiden Frauen konnten sich unbeschwert in ihr neues Abenteuer stürzen. Sie waren sehr aufgeregt.
Als sie der Kutscher am nächsten Morgen in der Stadt absetzte, besuchten sie gleich ein feines Geschäft, das sich auf Damenmode verstand. Dora hatte klare Vorstellungen, was Marie tragen sollte und teilte diese der Modistin mit. Die fiel auf den Schwindel herein, glaubte gleich, dass Marie nicht mehr als 18 Jahre zählte. Marie wurde ja schon immer jünger geschätzt, auch ohne die Zöpfe, die Dora ihr geflochten hatte. Dora wählte mehrere Kleider, darunter ein marineblaues mit einem hübschen Matrosenkragen. Marie sah allerliebst darin aus, wie die Modistin begeistert feststellte. Dann kam die Unterwäsche an die Reihe. Dora bestand auf Unterhosen, die den altbewährten, rückwärtigen Schlitz hatten. Sie wollte auf Maries mollige Kehrseite, bei jeder Gelegenheit zugreifen können.
Marie bekam eine leise Ahnung, was sie auf dieser Reise erwartete. Ihre Spalte kribbelte, als sie die neuen Sachen anzog. Ihr Spiegelbild begeisterte sie: Marie hatte sich in einen Backfisch verwandelt.
Der Zug hatte kaum Verspätung. Nachdem ihre Koffer verstaut waren, machten sich Dora und Marie auf die Suche nach den reservierten Plätzen.
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