Marie verbrennt sich

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Marie verbrennt sich

Marie verbrennt sich

Andreas

„Sie sehen mitgenommen aus, Fräulein Marie! Sagen Sie mir, wo Sie verletzt sind.“ Marie machte keinerlei Anstalten ihren Platz zu verlassen. Diese Situation war ihr äußerst unangenehm.
„Es ist nichts Schlimmes, nur ein blauer Fleck.“, log sie. Roman beschloss der Sache auf den Grund zu gehen. Er lief auf das Mädchen zu, bis er dicht vor ihr stand. Sofort entdeckte er die platt gedrückten Brennnesseln, die ihm verrieten, wo der blaue Fleck saß! Er sah Marie mitleidig an, die sich am liebsten in Luft aufgelöst hätte. Sie hoffte, dass er schweigen würde, aber diesen Gefallen tat er ihr nicht. Stattdessen kniete er sich auf den Boden und riss eine der Nesseln ab. Er hielt sie Marie entgegen und sagte: „Mit denen ist nicht zu spaßen! Lassen Sie mich lieber nachschauen, ob alles in Ordnung ist.“ Marie glaubte nicht richtig zu hören. Sie konnte doch nicht, oder doch? Verlegen wie ein kleines Mädchen zupfte sie an ihrem Kleid. Sie sah ihn unschuldig an, während ihr Kätzchen zu schnurren begann. „Aber Roman, ich kann Ihnen doch nicht meinen…, sie verschluckte das peinliche Wort,….zeigen!“ Der Mann schnaufte, als ihm bewusst wurde, dass sein Plan aufgehen konnte. Dieses unglaublich schöne Mädchen war schließlich die Tochter des Gutsbesitzers. Er nahm all seinen Mut zusammen, hoffte die richtige Tonart zu treffen: „Sie haben sich hinein gesetzt, Marie! Es ist besser wenn ich Ihn mir anschaue, glauben Sie mir. Ich kenne ein Mittel, das den Schmerz rasch vertreibt!“ Marie wurde schwindlig, sie glaubte sich einer Ohnmacht nahe. Dieses pikante Gespräch wurde ihr langsam zu viel. Sie fragte sich, ob sie nicht zu weit gegangen war.

Die Rettung nahte in Gestalt der Gouvernante. Sie spazierte gern durch den Garten, vor allem in dieser Jahreszeit. Schon von weitem sah sie Marie, die auf den Stallburschen einredete. Sie beeilte sich schnell bei den Beiden zu sein, ahnte dass sie Marie beistehen musste. Sie mochte Roman nicht, was daran lag, dass er und Paula ein Verhältnis hatten. Dieser Weiberheld hatte bei Marie nichts verloren! Kaum dass der Mann Dora kommen sah, trat er einen Schritt zurück. Er setzte ein harmloses Gesicht auf, das absolute Unschuld suggerierte. Dora sah ihn mit stechenden Augen an, musterte ihn abschätzig. Marie warf sie einen warnenden Blick zu, den diese mit gesenktem Kopf entgegen nahm. Die Gouvernante wandte sich an den Stallknecht: „Sind Sie mit der Arbeit schon fertig? Oder machen Sie mal wieder eine Pause?“ Roman setzte ein freundliches Lächeln auf.
„Ich dachte nur, das Fräulein hätte sich weh getan. Ich geh gleich wieder an die Arbeit, keine Sorge!“ Sofort stiefelte er in Richtung des Heuwagens. Madame Dora ergriff Maries Hand. Der Ernst in ihrer Stimme verriet ihre Sorge: „Ich glaube, dass wir beide Redebedarf haben! Kommst Du mit auf mein Zimmer?“ Marie nickte stumm. Sie wusste, dass sie Madame eine Erklärung schuldete.

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