Maries ganzer Körper stand unter Strom. Fritz war gekommen, den sie so schmerzlich vermisst hatte. Er hatte sie abgeholt, schon ganz früh am Morgen. Das Wetter war schön, und die heiße Julisonne forderte die Liebenden geradezu auf, Schatten und Ruhe an einem kleinen See zu suchen. Marie trug ein luftiges Sommerkleid, das sie extra für diesen Anlass ausgesucht hatte. Ein weißer Hut schützte sie vor den Sonnenstrahlen, die ihre, eher helle Haut nicht gut vertrug. Fritz sah sehr fesch aus, in seinem beigen Leinenanzug. Marie konnte sich an ihm gar nicht satt sehen. Er hatte einen Strohhut auf, wie Buster Keaton auf dessen Filmplakaten. Dieses Kreissäge genannte Modell trugen jene, die man heutzutage wohl Hipster nennen würde. Friedrich Falkmann war ein moderner, junger Mann. Er hatte sogar für das Wahlrecht der Frauen gestimmt, dass sein Vater so vehement ablehnte. Marie war ebenfalls ein aufgeschlossenes Mädchen, das sich nur ungern den Zwängen ihrer Herkunft unterwarf. Deswegen reizte es sie, Neues zu erleben, und brachte sich durch diese Veranlagung in so manche Bredouille.
Etwas nagte an Fritz, das spürte Marie ganz genau. Sie saßen im Gras auf einer Decke, blickten auf das grün-blaue Wasser des kleinen Sees. Marie beschloss Fritz zu fragen, was denn mit ihm los sei.
„Was hast Du denn? Du schaust so nachdenklich aus. Ist es wegen meines Briefs? Sag es mir bitte!“
Er war froh, dass sie es ansprach. Das besagte Schreiben beschäftigte ihn, mehr als ihm lieb war.
„Ich bin ein bisschen böse deswegen. Warum hast Du mir nicht früher von Deiner Gouvernante erzählt? Ich bin schon überrascht, dass sie Dich so strenge behandelt, und dann auch noch Deine Geliebte geworden ist. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Erklär es mir bitte, Marie!“
Marie strich ihr Kleid glatt, mit dem der sanfte Seewind ein neckisches Spiel trieb. Sie war sichtlich aufgeregt.
„Es kam alles so plötzlich, Fritz.
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