Haben Sie keine Angst, ich will Sie nicht erpressen! Ich würde mich aber freuen, wenn wir uns einmal von Auge zu Auge gegenüberstehen. Haben Sie morgen Abend Zeit? Ich erwarte Sie gegen 20 Uhr im Hause meines Vaters. Keine Sorge, er ist verreist. Wir werden also ganz unter uns sein.
Ihr ergebener Gero von Kottwitz.“
Marie schnaufte tief durch. Sie wurde also erkannt, wie es Dora befürchtet hatte. Gero hatte keine Beweise, aber schon ein einfaches Gerücht könnte ihre Familie in Verruf bringen. Marie beschloss, Dora nichts von dem Brief zu erzählen. Ihre ehemalige Gouvernante würde sich Gero zur Brust nehmen und genau dies wollte Marie verhindern. Sie war neugierig, was der hübsche Nachbar im Sinn hatte. Marie log Dora vor, dass sie eine Freundin besuchen wollte. Dora zeigte keinen Argwohn, als Marie ein Pferd satteln ließ. Marie traf sich hin und wieder mit Freundinnen aus ihrer Kinderzeit, die zumeist im erweiterten Umkreis des Landgutes lebten. Marie trug eine beige Reithose, zu der sie eine kurze Jacke auswählte. Dora lächelte, als Maries Stiefel in die Steigbügel glitten, um sich dann elegant auf den Rücken des Rappens zu schwingen. Marie ritt im gemächlichen Tempo davon. Doras Augen folgten der Freundin, bis sie aus ihrem Sichtfeld verschwand. Marie genoss den abendlichen Ritt. Sie dachte aber auch immer wieder an Gero. Was hatte der Mann vor? Marie würde es bald erfahren und diese Aussicht erregte sie auf unerklärliche Weise. Marie erreichte das Gut der Familie von Kottwitz. Ein Bediensteter nahm ihr Pferd in Empfang, nachdem Marie wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Am Eingang des Herrenhauses stand ein älterer Mann in einer Livree. „Herr von Kottwitz erwartet Sie bereits, Fräulein von Erlbach. Wenn Sie mir bitte folgen möchten!“ Der graumelierte Mann erinnerte Marie an Alfons, den Kammerdiener ihres Papas. Marie wurde in den Salon geführt, wo auf einem Teakholz-Tischchen einige Leckereien angerichtet waren.
Maries süße Rache
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Maries süße Rache
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