Im spärlichen Licht folgten wir dem Anatomieprofessor durch einen langen Korridor bis ganz nach hinten. Was ein Anatomieprofessor wohl hinter all diesen Türen verbirgt? Erst neulich hatte ich in einer Studie gelesen, dass über 90 % der Männer, die überhaupt einen Keller besitzen, dort unten etwas verstecken, wofür sie sich auch vor ihrer Familie schämen. Die Pornoheftsammlung aus der Pubertät, die Mann nicht in den Müll wirft, weil er sich daran erinnert, wie viel Geld er damals dafür ausgegeben hat? Aufblasbare Puppen? Archive mit den Nacktphotos der verflossenen Geliebten? Militaria?
Professor Brenner schien sich für nichts zu schämen. Er führte uns in einen ovalen Raum, in dessen Lichtkegel wir gemalte Bilder erblickten, die an Obszönität durch nichts zu überbieten waren. Männer in Ritterrüstungen liessen Peitschen auf nackte Frauen niedersausen, ein Hund war zu sehen, mit Menschenkopf, und er verrichtete zwischen den Schenkeln einer adipösen Blonden sein Geschäft. Rüben, Gurken, Peperoni waren zu sehen, in allen denkbaren und undenkbaren Öffnungen.
Was mich am meisten schockierte war ein Gemälde mit einer Gebärenden. Riesenameisen waren dabei, den Kopf der Frau zu vertilgen, während ihr Kind zur Welt kam – nicht etwa ein Menschenkind, sondern ebenfalls eine Riesenameise.
„On va créer une fanny“, sagte Professor Brenner. So etwas Ähnliches hatte ich erwartet. Marionnah und ich würden unseren Hintern herhalten müssen für einen Gipsabguss. Damit würde eine Form aus Ton gewonnen werden, mit den Konturen unserer Ärsche. Die Form würde dann, am Kopf der Bocciabahn, in Beton gegossen werden, falls mal gerade keine Frau da war. Der 13:0-Verlierer würde dann eben diese gebrannte Tonform küssen. So erklärte es uns der ältere Herr in geradezu professoralem Ton. Mir machte es mittlerweile nichts mehr aus, mich vor ihm auszuziehen, und Marionnah war ohnehin Feuer und Flamme.
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