Marionnahs Zeit

4 7-12 Minuten 0 Kommentare
Marionnahs Zeit

Marionnahs Zeit

Anita Isiris

Wir konnten uns kaum mehr auf den Beinen halten. Das hatte nicht nur mit unseren Lustspielen auf der Bocciabahn zu tun. Der Alkohol trug das Seine dazu bei, dass wir nur noch torkelten, lachten und lallten. Genau darauf schien Professor Brenner gewartet zu haben, wie mir erst aus der Retrospektive bewusst wurde. „Ey, les copinnes“, rief er uns zu und tätschelte Marionnah auf den Hintern. Diese schien wirklich etwas zu finden an diesem Mann. War es sein Reichtum? Sein vornehmes Äusseres? Der Faun, der in ihm seine Teufelstänze trieb? „Je vais vous montrer mon atelier“, lud er uns ein. Marionnah fasste mich an der Hand und zog mich Richtung Villa. „Das dürfen wir uns nicht entgehen lassen“, flüsterte sie.

Mit überraschend schnellem Schritt ging der Anatomieprofessor neben uns her. Was seine Frau im Moment wohl gerade trieb? Bestimmt hatten sie sie mit Drogen gefügig gemacht. Nackt, auf allen Vieren, bewegte sie sich auf den rötlichen Fliesen einer geräumigen Küche, während die Männer rund um einen Eichentisch sassen und Bier tranken. Sie hatten die Szene unter Kontrolle. Sie würden sie erniedrigen bis zum Gehtnichtmehr, die kleine Nutte da am Boden, des Anatomieprofessors Weib. Wer auch immer dazu Lust hatte, befummelte ihre warme, feuchte Pflaume, und Julia hatte Gewissheit, dass die Bierpause nur dem Aufbau diente. Dem Aufbau, bevor sie sich wieder in ihr entluden, die Freunde ihres Mannes.

Professor Brenner führte uns in den Keller, und das hätte uns eine Warnung sein sollen. Männer tun in Kellern nichts Gutes, es sei denn, sie hätten dort eine Werkstatt eingerichtet um ihren Kindern Puppenstuben und Autos zusammenzubauen. Schon als die Tür hinter uns ins Schloss schnappte, wurde mir mulmig zumute.

Mir war schwindlig vom Alkohol; nur mit Mühe erreichte ich das Kellergeschoss. Marionnah erging es wohl ähnlich. Es war aber angenehm kühl da unten; die weissen Gewölbe über uns versetzten mir so etwas wie ein Flash. Im spärlichen Licht folgten wir dem Anatomieprofessor durch einen langen Korridor bis ganz nach hinten. Was ein Anatomieprofessor wohl hinter all diesen Türen verbirgt? Erst neulich hatte ich in einer Studie gelesen, dass über 90 % der Männer, die überhaupt einen Keller besitzen, dort unten etwas verstecken, wofür sie sich auch vor ihrer Familie schämen. Die Pornoheftsammlung aus der Pubertät, die Mann nicht in den Müll wirft, weil er sich daran erinnert, wie viel Geld er damals dafür ausgegeben hat? Aufblasbare Puppen? Archive mit den Nacktphotos der verflossenen Geliebten? Militaria?

Professor Brenner schien sich für nichts zu schämen. Er führte uns in einen ovalen Raum, in dessen Lichtkegel wir gemalte Bilder erblickten, die an Obszönität durch nichts zu überbieten waren. Männer in Ritterrüstungen liessen Peitschen auf nackte Frauen niedersausen, ein Hund war zu sehen, mit Menschenkopf, und er verrichtete zwischen den Schenkeln einer adipösen Blonden sein Geschäft. Rüben, Gurken, Peperoni waren zu sehen, in allen denkbaren und undenkbaren Öffnungen.

Was mich am meisten schockierte war ein Gemälde mit einer Gebärenden. Riesenameisen waren dabei, den Kopf der Frau zu vertilgen, während ihr Kind zur Welt kam – nicht etwa ein Menschenkind, sondern ebenfalls eine Riesenameise.

„On va créer une fanny“, sagte Professor Brenner. So etwas Ähnliches hatte ich erwartet. Marionnah und ich würden unseren Hintern herhalten müssen für einen Gipsabguss. Damit würde eine Form aus Ton gewonnen werden, mit den Konturen unserer Ärsche. Die Form würde dann, am Kopf der Bocciabahn, in Beton gegossen werden, falls mal gerade keine Frau da war. Der 13:0-Verlierer würde dann eben diese gebrannte Tonform küssen. So erklärte es uns der ältere Herr in geradezu professoralem Ton. Mir machte es mittlerweile nichts mehr aus, mich vor ihm auszuziehen, und Marionnah war ohnehin Feuer und Flamme. Mit mir machte er es zuerst. Ich musste mich im Vierfüssler auf eine mit einem grünen Tuch überzogene Couch knien. Bald darauf spürte ich des Professors Hände an meiner Pflaume. Er massierte meine Schamlippen und meine Pobacken mit Vaseline, lange und gründlich. Dann verteilte er den Gips. Ich war froh um meine Totalrasur – das Entfernen des Gipses, nachdem er eingetrocknet war, würde nicht so schmerzhaft sein. „Ahhh… la fanny“, schwärmte der Professor. Marionnah kniete sich neben mich und liess dasselbe Procedere über sich ergehen. Da knieten wir also, mit eingegipsten Hintern, und ich hoffte, dass nicht plötzlich Roberto, Jakob oder einer der andern den Raum betrat und uns so sah. „Quelle merveilleuse fente!“ Welche Fotze meinte er? Meine oder die von Marionnah?

Rauch füllte den Raum. Professor Brenner hatte es sich bequem gemacht, zog an einer Zigarre und ergötzte sich an uns. Männer sind im Grunde einfache Gemüter. Allmählich trocknete der Gips, zog sich zusammen und strahlte Wärme ab. Das Gefühl war nicht unangenehm.

Als Professor Brenner uns die Schalen abnahm, war bestimmt eine Stunde verstrichen. Ich hatte Muskelkater in den Oberschenkeln. Marionnahs Hintern war feuerrot. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Viel schlimmer.

Es ging vermutlich gegen Mitternacht; ich hatte jedes Zeitgefühl verloren. Marionnah ging es wohl ähnlich – sie kämpfte gegen die Müdigkeit und gähnte, ohne die Hand vor den Mund zu nehmen. Gleicheitig wurde sie aber vom Ambiente im Keller gefangen genommen – immer wieder betrachtete sie das Ameisenbild mit der Gebärenden. Ihre Augen leuchteten, und sie folgte den Bewegungen des Professors. Wir sassen, nackt, wie wir waren, auf einem Sofa, und ich angelte mir ein buntes Seidentuch, das zusammengefaltet auf dem Clubtisch vor uns lag. Damit verhüllte ich meinen Oberkörper. Marionnahs Nippel waren ganz schön steif; es war kühl hier unten. Nicht unangenehm, aber kühl. Wortlos stellte der Professor Kristallgläser vor uns hin und füllte sie mit einer braunen Flüssigkeit. „Buvez, mes filles, buvez“, sagte er. „Vous en aurez besoin“. « Trinkt, Mädchen – Ihr werdet es nötig haben. »

Ein Luftzug verriet uns, dass sich die Kellertür öffnete. Marionnah fuhr herum – bestimmt wäre es auch ihr unangenehm gewesen, wenn jetzt unsere Partykollegen hereingestürmt wären. Stattdessen hörten wir kleine Schritte, wie von Kindern. Mir gefror das Blut in den Adern. Dann entspannte ich mich. Fünf kleinwüchsige Männer, alle so ca. 120 cm gross, kamen auf uns zu. „Allez-y!“, befahl der Professor. Die fünf kleinen Männer legten Hand an Marionnah. Alle trugen sie das Haar sehr kurz, waren zwar kleinwüchsig, hatten aber normal proportionierte Extremitäten und einen normal proportionierten Oberkörper. Sie waren offenbar alle sehr kräftig; es half nicht, dass Marionnah sich wehrte, als sie sie ihr Handschellen anlegten.
Mich befremdete an mir, dass mich die Situation erregte. Die kleinen Jungs würden sich über Marionnah hermachen, und ich war als Zuschauerin bestimmt. Widerwillig liess sich Marionnah zur Couch ziehen, auf der wir uns den Po hatten eingipsen lassen. Die Lehne wurde heruntergeklappt, und aus der Couch wurde ein Bett. Marionnah wurden Schlingen an die Fussgelenke gelegt, und sie wurde mit gespreizten Beinen gefesselt. Des Professors Blick war auf ihre rosa Muschel gerichtet – auch die Männer hatten Marionnahs Möse im Fokus.

„Leck sie, Mädchen“. Die Stimme war an mich gerichtet. Marionnah war eine wirklich heisse Braut, wie sie so da lag, mit leicht erhöhtem Oberkörper, den Blick auf mich gerichtet… Sie hatte die Augen eines Rehs. Sie waren etwas geweitet – offenbar war Marionnah aufgeregt. Das Glitzern zwischen ihren Schenkeln war aber nicht zu übersehen. Sie nickte mir zu, war offenbar einverstanden mit meinem Eingreifen. Ich kniete mich zwischen ihre Beine und befeuchtete ihre Schamlippen mit Speichel. Die Tatsache, dass sechs Männer – der Professor mit eingeschlossen – zuschauten, machte auch mich geil. Immer deftiger wurde mein Spiel; ich nahm den salzigen Geschmack von Marionnahs Geschlecht in mich auf, so, als handelte es sich um Nektar. Unsere Säfte, mein Speichel, ihr Mösensaft, vermischten sich, und bald war mein ganzes Gesicht nass. In diesem Augenblick spürte ich eine kleine Hand an meinem Po. So wurde ich daran erinnert, dass ich ja splitternackt war. Die Hand machte sich an meiner Pflaume zu schaffen, scheu, zögernd. Intuitiv spannte ich die Muskulatur meines Hinterns an und hörte hinter mir heftiges Schnaufen. Einer der Zwerge war am Werk und steigerte sich offenbar in etwas hinein. Hatten die denn noch nie eine Frau von hinten gesehen, nackt, in Hündchenstellung, mit durchgedrücktem Kreuz? Die Hand betastete mich immer forscher, und ich liess mich zwischen Marionnahs Schenkeln gehen. Ich hatte den Eindruck, dass die Cliti meiner Freundin pulsierte und mit meiner Zunge einen kleinen, diskreten Reigen tanzte. Ich presste meinen Mund gegen Marionnahs Schamlippen; der kleine Kerl in meinem Rücken wusste genau, wie er mich hochjagen konnte. Vorsichtig steckte er einen Finger in mein Poloch.

„Vas y!“, befahl der Professor. Er hatte eine dicke Peitsche in der Hand. „Caresse-la, la pute!“. „Streichle die Nutte!“. Dann liess er die Peitsche herniedersausen. Der Schmerz, der mich sogleich durchzuckte, war unvorstellbar. Ich liess einen kurzen Moment von Marionnah ab. Meine Augen wurden feucht. „Ey, salope!“, schrie der alte Mann und knallte das Mörderinstrument erneut auf meinen Arsch. Noch heute ist für mich unverständlich, dass sich meine Lust steigerte. Ich wollte den sechs Männern alles geben, jetzt, sofort. Schneewittchengedanken durchzuckten mein Hirn; ich stellte mir vor, wie sie heimkamen, die Zwerge, über und über von Kohlestaub beschmutzt. Ich zog jeden einzelnen aus, wusch ihn in einem Bottich, verweilte mit der Seife besonders lange an den aufgerichteten Schwänzen… bevor sie mich dann nahmen, alle sieben, im oberen Stock, auf dem rustikalen Bett mit der Decke, die ich in den zwei vergangenen Wochen gehäkelt hatte…

Dann spürte ich, dass da kein Daumen mehr war ihn meinem Poloch, sondern etwas Dickeres, Pulsierendes. Einer der frechen kleinen Kerle besorgte es mir anal. Sie führten sich auf, als würde ich ihnen gehören, diese geilen Kleinwüchsigen! Ob der Professor sie in einem Reagenzglas grossgezogen hatte – hinter einer der zahllosen Kellertüren, bei Blaulicht, hinter einer hermetisch verriegelten Tür?
Marionnah bebte vor Lust. „Geniess es, Anita“, keuchte sie. „Lass es Dir einfach besorgen. Gib ihnen Deinen Arsch. Lass sie einfach machen, die kleinen Männer. Aber, bitte, hör nicht auf zu lecken, hör nicht auf…“
Als ich meine Zunge langsam in Marionnahs heisses Liebesloch schob, masturbierte sie. Mich erregte das sehr, zu sehen, wie meine Freundin sich um einen Orgasmus bemühte, mit meiner Unterstützung.
Ich hielt kurz inne, blickte zur Seite. Vier kleine Männer und der Professor standen in einer Reihe, wie eine Art Männerchor, und alle wichsten genussvoll, während der fünfte Zwerg tief in mir war.
Es war ein einziges Keuchen, sich Winden und Stöhnen.

Der Professor kam als erster.

Dann glitt der pralle Schwanz des kleinen Mannes hinter mir aus meiner Scheide. Er kletterte von der Couch herunter, machte einen Bogen um die masturbierende Männergruppe und stellte sicher, dass ich ihn sah. Er kam mir bekannt vor. Er wirkte sehr gepflegt und trug einen massgeschneiderten grauen Anzug, der am Hosenbund aus naheliegenden Gründen ein paar Flecken aufwies.

Der kleine Mann verbeugte sich vor mir. Es war Lille Per. Ich hatte ihn selber erfunden und zum Protagonisten einer meiner Erzählungen gemacht. Lille Per, der Schwede mit dem kaum zu befriedigenden Sextrieb. Da kam wohl noch einiges auf uns zu.

Nicht zum ersten Mal erlebte ich, dass frei von mir erfundene Protagonisten eines Tages Besitz nehmen von einem Teil meines Lebens. So bin ich im realen Leben schon einem Fotografen begegnet, dessen Treiben ich kurz zuvor in einer Geschichte geschildert habe, und in der Toscana habe ich bei einem Macellaio, einem Fleischer, Salami eingekauft, und der Mann sah genau so aus, wie ich mir einen Macellaio vorstelle.

Es gibt es, dieses Archetypische, das bestimmte Charakterzüge von uns auszeichnet und sich in der Physiogniomie, der Körperhaltung, der Kleidung widerspiegelt. Auch Professor Brenner war so ein Archetyp. Älterer Herr, Akademiker, distinguiert-freundlich, aber hinter der Fassade brodelt es. Lille Per war schwieriger einzuordnen. Vor mir stand natürlich nicht Lille Per aus meiner gleichnamigen Story, sondern ein Kleinwüchsiger, der genau so aussah, wie ich mir einen Kleinwüchsigen vorstelle – mit einer geballten Ladung angestauter Libido in seiner Seele und in seinem Körper. Oder stand da wirklich Lille Per? „Kennst Du Marlise?“, fragte er mich mit zischenden Lauten. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Hasste er mich? „Ich hasse Dich“, sagte er. „Du hast da jemanden zu Leben erweckt, den Du besser hättest schlafen lassen. Seit die Geschichte über mich existiert, leide ich unsägliche Seelenpein. Mein Verlangen nach einer normalwüchsigen Frau steigert sich ins Unermessliche. Klar war es geil für mich, dass ich Dich soeben habe bumsen dürfen – aber das reicht mir nicht. Ich will die Seele einer Frau, will ihr Innerstes.

Da reicht es nicht, wenn ich einen Finger in ein weibliches Poloch stecke; da reicht es nicht, wenn ich zusehen darf, wie mein Sexobjekt ausgepeitscht wird – so wie Du vorhin. Ich will Angst sehen, Leiden, Spannung. Erst dann kann ich mich wieder in mich selbst zurückziehen und mich zurückgegeben ins für normale Menschen unsichtbare Universum von uns Kleinwüchsigen, die eh von den wenigsten verstanden werden – von Frauen schon gar nicht.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 4009

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben