Ich schob meine Reisetasche ebenfalls in den Gepäckanhänger, kletterte auf dem Rücksitz in die Mitte, und bald darauf erschien auch Kalle, dessen Freundin wegen Prüfungen an der Uni zuhause bleiben wollte. «Aber die beiden Brüder haben ja mich», dachte ich mir, nicht ganz ohne Freude. Zwei süsse Jungs, eine nette, offene Familie und zwei Wochen Urlaub – besser hätte ich es nicht treffen können. Natürlich entging mir nicht, dass Kalle mich von der Seite betrachtete und mein Profil studierte. Mein Profil ist nicht von schlechten Eltern, finde ich. Obenrum bin ich sehr gut bestückt, um das mal so zu formulieren, und ich hatte vor Luzius schon mehrere Männer. Alle mochten sie ihn, meinen Body. Luzius, Kalle und wohl auch Bernd bildeten da keine Ausnahme. Aber es waren anständige Männer, und sie beherrschten sich, dass ihr Blick nicht zu lange auf meinen expliziten Körperstellen ruhte. Sie hatten mich schon im Bikini gesehen, in Shorts, in engen Tank Tops, aber ich wurde immer respektiert als die Marion, die ich nun mal bin.
Der Anfang der Fahrt verlief schweigend, was wohl dem Live-Konzert von Roger Hodgson zu verdanken war, das aus den Lautsprechern perlte. Ich mochte seinen Pianosound extrem gerne, der Wiedererkennungswert seiner Fingertechnik bedeutete mir etwas, irgendwie. Den andern schien es gleich zu ergehen.
Dann räusperte sich Luzius. «Ehm… Marion… ich muss Dir etwas sagen». Kalle lehnte sich nach vorn und gebot seinem Bruder, zu schweigen. Er schien genau zu wissen, was mir mein Freund eröffnen wollte. Ich war neugierig, und nach der ersten Autobahnraststätte holte ich mein Handy aus der Tragetasche und spielte daran herum. Via «Whatsapp» fragte ich Luzius, was er mir mitteilen wollte. Kalle war gut erzogen und diskret genug, nicht auf mein Display zu schauen. «Wir fahren nicht an einen gewöhnlichen Campingstrand», schrieb mir Luzius.
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