Martin und Vanessa

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Martin und Vanessa

Martin und Vanessa

Anita Isiris

Scheisse, ich hab zu viel getrunken. Was hab ich da getan? Irgendwie ist er mir ja doch fremd, dieser Martin. Ich weiss wenig über ihn, sehr wenig. Was, wenn er mitten in der Nacht über mich herfällt? Ach, nein, ich blöde Zicke, er ist ja ein Arbeitskollege. Was er wohl zum weissen Nachthemd sagt, das Moses mir zum Geburtstag geschenkt hat?

Einen Whisky haben wir getrunken in der Altstadt. Etwas vom Edleren; ein Schlaftrunk vom Feinsten. Vanessa hat mit mir kokettiert. Mit den Augen. Ich kenne mich da aus. Frauen kokettieren öfter mit den Augen, als ihnen bewusst ist. Was sie sagen, ist nicht so wichtig. Das Leuchten aber, die Lachfältchen, die offene Sitzstellung... Ich kenne mich da aus.

Warum Martin jetzt so schweigsam ist? Die kleine Linde ist wirklich romantisch. Ich mag diese dicken Häusermauern, die kleinen Fenster, die knarrenden Böden... Aus welcher Epoche das Gebäude wohl stammt? Das Zimmer ist hübsch eingerichtet; nicht einmal ein Blumenstrauss auf dem runden Klubtisch fehlt. Die Minibar ist vielseitig, das Bett breit genug für uns zwei. Es wäre mir nicht recht, zu dicht neben Martin zu liegen, bei aller Sympathie zu ihm. Schon nur Moses gegenüber fände ich das unfair. Martin putzt sich gerade die Zähne. Hübsch, die Stukkatur an der Decke. Ich werde mich im Bad umziehen. Ich bin nicht zickig, aber ich muss mich ja nicht gleich entblössen vor ihm.

Ahhh... herrlich. Herrlich. Gleich werde ich neben ihr im Bett liegen. “Sorry, Barbara, sorry, Lisa, mein kleines Töchterchen... Ich bin ja bald wieder zu Hause bei Euch.” Ob sie sich schon umgezogen hat? Was sie wohl trägt in der Nacht? Möglicherweise werden wir es beim Kuscheln belassen. Ob sie zu den Frauen gehört, die vor dem Einschlafen noch ein wenig lesen? Mit einem kleinen Drink aus der Minibar auf dem Nachttisch?

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