Martinas Ostereier

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Martinas Ostereier

Martinas Ostereier

Anita Isiris

Martina war keine von denen. Keine dieser Mägde, die sich wahllos unter jeden Ritter, jeden Burgherrn, jeden Stallknecht legten. Obwohl diesen Frauen zugute gehalten werden muss, dass sie sich keineswegs immer freiwillig nehmen liessen. Aber Mägden war es nun einmal beschieden, Blitzableiter zu sein, Sammelbecken männlicher Lüste, im wahrsten Sinne des Wortes. Martina aber war wählerisch. War eine Magd wählerisch, blieb ihr nur ein Weg: Sie musste sich so unauffällig wie möglich bewegen, jeder Schwenker des Hinterns konnte ein Schwenker zu viel sein, jeder Sonnenstrahl, der das brünette Haar zum Leuchten brachte, konnte in einer wilden Rammelei hinter dem Schweinekoben enden. Martina hatte ein weiteres Problem: Sie nannte enorme, wirklich enorme Brüste ihr Eigen, und es stellte sich niemand die Frage, wonach ausgehungerten, der Kälte ausgelieferten Knechten der Sinn stand, von Rittern und Burgherrn ganz zu schweigen.

Gar mancher Bastard wurde so geboren, im Heu oder im Wald, diskret, von der Öffentlichkeit unbemerkt. Dahinter stand oft das Schicksal, dass den weiblichen Angetrauten von adligem Geblüt keine Sohn-Geburt beschieden war. Entweder folgte Abort auf Abort, und wenn Leben geboren wurde, dann kamen Mädchen zur Welt, im 16. Jahrhundert manchem Ritter ein wahrer Greuel, denn das Erbe konnte nur durch männliche Nachfolger gesichert werden. Dann wurden eben die Mägde besprungen und die männlichen Babies den unglücklichen Burgherrinnen in die Arme gelegt. Stillen war kein Problem, dafür gab es Ammen. Den Burgherrinnen geziemte das Stillen ohnehin nicht – auch dann nicht, wenn sie einen Sohn zur Welt brachten.

Nun begab es sich, dass Lukas, der Stallmeister, längst ein Auge auf Martina geworfen hatte, egal, ob sie sich in stumpfes Grau kleidete, egal, ob sie ihr Haar mit Mehl bestäubte, damit es in der Sonne nicht leuchtete, egal, ob sie den Blick senkte, damit die Männer sich nicht etwa von ihren kornblumenblauen Augen hypnotisieren liessen. Lukas war ein Womanizer früher Jahre, und solchen Männern war es beschieden, die Schönheit der Frauen immer zu entdecken – einer Wünschelrute gleich, die über Wasseradern zuckte. Lukas’ Wünschelrute war schon in mancher Mägdevagina zugegen gewesen, er hatte seine Lenden schon an zahllose Frauen gepresst, auch an diejenigen der Burgfräuleins. Lukas war ein wahrer Frauenkörperexperte, was natürlich dem Burgherrn nicht zu Ohren kommen durfte. Lukas wäre an einen Pfahl gebunden und gnadenlos ausgepeitscht worden.

Also hielten die Frauen am Hof dicht, um Lukas’ Expertise positiv auf sich einwirken zu lassen, um das mal so zu formulieren. Was für Lukas sprach, waren zwei Aspekte: Er achtete penibel auf Körperhygiene, was im 16. Jahrhundert alles andere als selbstverständlich war. Trotz seiner täglichen Arbeit im Stall, trotz Kuhmist und Pferdedung, machte er sich immer frisch, bevor er sich eine Frau nahm. Er schwamm im nahegelegenen See und spülte sich so die Stallgerüche vom Leib. Sein zweiter Vorteil, der ihm einen ewigen Platz in den Frauenherzen sicherte, war, dass er etwas entdeckt hatte: Lukas hatte sich, entgegen dem damaligen und bis heute andauernden Credo, dass das Jungfernhäutchen, das Hymen, durchstossen werden muss, ein spezielles Penetrationsverfahren angeeignet. Wenn er in eine bis anhin unberührte Frau eindrang, was nicht selten der Fall war, fügte er ihr keine Schmerzen zu und das Hymen blieb intakt. Lukas hatte die tiefen Geheimnisse weiblicher Seelen – und damit auch das Geheimnis der Vulva entdeckt. Frauen lieben Geschichten, und während sie tagsüber gerne aktiv kommunizieren, wollten sie im Bett eher zuhören, das dichte, schöne Haar übers Kopfkissen gebreitet, mit entspannten Gesichtszügen und bis zum Sternum aufgeknöpftem Nachthemd. Sie mochten die Erzählungen, mal zärtlich, mal deftig endend, die der erfinderische Lukas ihnen ins Ohr flüsterte. Dabei wurden sie nicht nur feucht, sondern klitschnass zwischen den Beinen. Lukas, der Experte, betastete dann kenntnisreich die Vulva der zu liebenden Frau und erkannte den Moment, in dem er eindringen konnte. Vorsichtig dehnte er das Kränzchen, das bis heute viele Menschen irrtümlicherweise als Häutchen bezeichnen, und führte seine Wünschelrute ein. Dann verharrte er still, genoss die glänzenden Augen der Gespielin und schob sich tiefer hinein, mit der gebotenen Sorgfalt und Zärtlichkeit. Wenn sich das Burgfräulein oder die Magd unter ihm zu winden begann, war das für Lukas das Zeichen, weiter zu machen und sein eigenes Becken in Fahrt zu bringen. Zahllose Frauen hatte er bisher nicht nur in den siebten, sondern auch in den achten, neunten oder zehnten Himmel gevögelt, und keiner hatte er die so genannte Jungfräulichkeit genommen. Alles blieb intakt, kein Blut, gar nichts. Lukas’ Hypothese war, dass so die Jungfräulichkeit theoretisch, mal abgesehen von einer Geburt, ein ganzes Frauenleben lang intakt bleiben konnte, wenn der Mann nur genügend Geduld aufbrachte, um die Vulva zum Glühen zu bringen.

Und dann war endlich Martina, seine begehrte Martina, bei ihm in der Dachkammer. Frech hatte er ihr an den Hintern gegriffen, als sie sich am Dorfbrunnen gebückt hatte, und er spürte das pralle, warme Fleisch, das bei ihm sofort eine gewaltige Erektion verursachte. Martina, die sich derlei gewohnt war, wollte sich auf dem Absatz umdrehen und ihm eine Watsche verpassen. Die kräftige Männerhand fühlte sich aber derart angenehm an, warm und erfahren, dass sie in ihrer gebückten Stellung verharrte, so, als wäre sie hypnotisiert, und der Dinge harrte, die da kommen sollten. Lukas, der Vulvaexperte, versicherte sich, dass sie allein waren. Dann bewegte er seinen Mittelfinger so, dass Martina ihn durch ihre Röcke hindurch zu spüren vermeinte, genau zwischen ihren Labien. «Ich will Dich», flüsterte er ihr ins Ohr, und aus Martina floss der Honig.

Spät in der Nacht klopfte es dann zaghaft an Lukas’ Kammertür, und auf Fussspitzen huschte Martina in sein Kabäuschen. Es war in der Tat nur ein Kabäuschen, ein Zimmerchen mit einer schmalen Pritsche, aber wer sich liebt, tut es auch auf steinigem Boden, oder auf heissem Wüstensand. Das Begehren der beiden brachte nahezu das ganze Gesindehaus zum Beben, und Lukas küsste zärtlich Martinas Stirn und griff nach ihren Händen. Niemals griff er einfach so gierig und besitzergreifend nach Frauenbrüsten, wie die Ritter das taten. Niemals drang er kommentarlos in eine Frau ein, was oftmals schamlos in der Küche oder in den Korridoren passierte. Keine Frau am Hof konnte sich sicher fühlen, ausser vor dem sensiblen Lukas, der immer erst das Gespräch suchte, um dann der Begehrten seine detailreichen Geschichten ins Ohr zu hauchen.

Dann kam ein Zittern über ihn, als er Martinas Ostereier auspackte. Pralle Lustdrüsen, die ihresgleichen suchten, drängten sich ihm entgegen, überreif wie Melonen, die in diesen Breitengraden damals allerdings noch niemand kannte. Martinas Brüste waren tatsächlich veritable Melonen, was die Grösse anging, was die Form anging, aber eben doch eher Ostereier. Es war ein Tag vor Ostern, und Lukas lächelte in sich hinein, bevor er einen von Martinas drallen Nippeln in sich hineinsog. Von einer Penetration war er zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt. Zuerst wollte er die Begehrte wärmen, und sie anschliessend mit einer ganz besonders pikanten Erzählung erregen, so lange, bis zwischen ihren Beinen der Nektar floss. Das gelang ihm denn auch. «Die junge Magd setzte sich auf seinen Schoss und liess seinen Schaft langsam, ganz langsam in sich hineingleiten. Die anderen Männer in der Runde waren zu sehr mit sich und ihrem Dünnbier beschäftigt, um etwas zu merken». So endete Lukas’ Erzählung, und Martina war so weit. Sie zog Lukas auf sich, griff nach seinem Hoden und massierte ihn zärtlich. Dann schob sie dem Stallburschen ihr Becken entgegen. «Nimm mich», keuchte sie. Lukas musste sich sehr beherrschen, um Martinas Vagina die gebotene Sorgfalt angedeihen zu lassen – ihr Hymen, ihr Kränzchen, sollte glücklich und intakt bleiben. Ob ein Hymen, ein Kränzchen, glücklich sein kann, sei dahingestellt – aber bis heute hat sich ja auch niemand dafür interessiert.

Nach einer sehr innigen Vereinigung deckte Lukas Martina zärtlich zu, küsste sie erneut auf die Stirn und rollte sich auf den Holzdielen zusammen, auf dass sie es sich auf seiner Pritsche gemütlich machen konnte.

Am nächsten Morgen konnte Martina nicht umhin, zur Beichte zu gehen. Sie war trotz ihres inneren Feuers eine tiefgläubige Frau, und sie wünschte sich so sehr, der Kaplan würde ihr die Absolution erteilen, nach der innigen Lustnacht mit dem Stallmeister. Sie betrat die kühle Dorfkirche und schritt zögernd nach hinten zum Beichtgestühl. Die Kirche war schlicht gehalten, und ein paar ältere Frauen knieten auf den Holzbänken, ins Gebet vertieft. Niemand nahm von Martina Notiz, der Kaplan aber sehr wohl.

Auch er hatte schon längst ein Auge auf Martina geworfen, und schon mehr als einmal hatte er über einem silbernen Kreuz ejakuliert, weil ihm ein Mönch anvertraut hatte, dies sei eine Möglichkeit, Sünde von sich fernzuhalten. «Martinas Brüste. Martinas Brüste. Martinas Brüste», pochte es in seinem Schädel, während sich die junge Frau vor ihn hinkniete und den Kopf senkte. Durch eines der in Blei gefassten bunten Fenster schien ein orangefarbener Strahl in Martinas Haar, möglicherweise ein Zeichen des Himmels. Mit steifem Schwanz hörte der Kaplan von Martinas nächtlicher Sünde und versetzte sich gedanklich in den Stallmeister. Wie gerne er diese Frau genommen hätte! Danach im innersten Kreis der Hölle zu schmoren, das hätte der Kaplan fraglos auf sich genommen. Einmal, nur einmal die Vagina von Martina… aber der Mann hielt an sich. Er wollte sich nicht vor dem Bischof verantworten müssen.

Nur – was sollte er Martina auferlegen? So ganz ungeschoren konnte er sie nicht davonkommen lassen, schon nur deshalb nicht, weil es schien, dass ihr Lukas’ Wünschelrute grosse Lust bereitet hatte. «Für eine Hübschlerin halte ich Dich nicht», sagte er mit Kennermiene. «Wie manchem Mann warst Du denn schon zu Willen?». Martina schwieg verlegen. Lukas war, letzte Nacht, in der Tat der allererste gewesen. «Hat er Dich sodomisiert?» Vor dem geistigen Auge des Kaplans erschien Martina, in Vierfüsslerstellung, und hinter ihr der geile Stallmeister, der seine Wünschelrute ins verbotene Löchlein zwängte. «N… nein», stammelte Martina, überrascht ob des Kaplans direkter Frage.

«Es ist nun Ostern», sagte der Kaplan, «und ich sehe eine Möglichkeit, Dich von Deiner unsäglichen Sünde zu befreien». Dem Sakristan, der aus den Nichts aufgetaucht war, machte er ein Zeichen. Mit einem kurzen Dialog hielt er die junge Magd auf, während der Sakristan mit zitternden Händen die Farben anmischte. Rot, grün, blau, gelb.

Dann geleitete der Kaplan die etwas unsicher gewordene Martina in einen Nebenraum, in dem, auf einem langen Tisch, der Sakristan Pinsel, Wasser und Farbtöpfchen verteilte. Mit einem Wink hiess der Kaplan den Sakristan, den Raum, in dem es nach Weihrauch duftete, zu verlassen. Gleichzeitig zwinkerte er dem jungen Mann zu. Im steinernen Korridor stellte sich der Sakristan auf einen geschnitzten Eichenholzstuhl und konnte durch eine schmale Lücke in der Mauer beobachten, was der Kaplan nun tat. Er hiess die Magd, ihren Oberkörper zu entblössen, was diese nach einigem Zögern tat. Der Kaplan konnte seine Augen kaum von der fülligen Pracht abwenden, und dann mischte er die Farben. Rot, grün, blau, gelb. Es ging nicht lange, da waren Martinas Brüste, ohnehin gottgegebene Kunstwerke, in leuchtende, schimmernde Ostereier verwandelt, in zwei Naturwunder, die ihresgleichen suchten. Bei allem Respekt vor Primeln, Osterglocken, Spargelstängeln und Pilzen, die im Wald doch so reichlich vorhanden waren. Martinas Ostereier überboten an mesmerisierender Schönheit alles, was die Heiligen an den Wänden, Jesus, die Apostel, die Verräter, jemals zu sehen bekommen hatten.

Der Kaplan wandte sich ab und erleichterte sich, während Martina, die Ostermagd, feuerrot anlief.

Aber sie wusste, dass die Sünde nun von ihren Schultern genommen war. Noch in der kommenden Nacht würde sie wieder, auf Zehenspitzen, Lukas’ Kabäuschen betreten, sich von ihm eine Geschichte erzählen und sich von ihm nehmen lassen, wieder und wieder, und schon jetzt war sie gespannt, welche Form der Absolution sich der Kaplan in Zukunft ausdenken würde.

Der Himmel draussen war strahlend blau, die Osterglocken blühten und die Primeln stiessen durch die Erddecke.

Und Gott ein Wohlgefallen.

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