Matratzen

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Anita Isiris

Eine Stimme in mir verlangte nach einem weiteren Kaffee und einer Kürbissuppe. Es handelte sich gemäss der Kreidetafel über mir um die Spezialität des Hauses. Die Suppe schmeckte vorzüglich, war aber ebenfalls angereichert mit Absinth oder was auch immer. Ihr müsst wissen, dass ich mich mit Alkoholika nicht wirklich auskenne. Psilocybin ist mir da schon deutlich vertrauter, aber zu Alkohol habe ich seit jeher ein eher angespanntes Verhältnis. Die Männer waren wieder am Grölen, die Zigarren qualmten, und mich hatte man anscheinend vergessen. “Meine Frau zeigt Ihnen jetzt Ihr Gästezimmer.”

Der Korpulente hatte also eine Frau. Wenige Minuten später stand eine junge Balinesin vor mir. Sie sah jedenfalls so aus, wie ich mir eine Balinesin vorstelle. Mit tieftraurigen Augen nickte sie mir zu und anerbot sich halblaut, mich zu meinem Zimmer zu begleiten. Ich ging hinter ihr die Treppe hoch und bestaunte heimlich ihre grazile Figur. Ich mochte mir gar nicht erst ausmalen, was der Kaschemmer des Nachts mit ihr trieb, womöglich in Anwesenheit seiner Saufkumpanen. Wir betraten einen hellen, freundlichen Raum, der in warmes Licht getaucht wurde. Kornblumen standen auf dem Nachttisch, und eine Flasche Mineralwasser aus der Gegend. Ein Bett dieser Art hatte ich noch nie gesehen. Es wirkte bequem, hatte aber auffällig kräftige Bettpfosten. Bedeckt wurde es von einem schweren Baldachin aus matt schimmerndem Brokat. Eine Seitentür führte ins Bad; schmuckes Waschgeschirr stand bereit, ein barockes Waschbecken und ein Plumpsklo. Die Balinesin drückte meine Hand und sah mich lange und durchdringend an, so, als wollte sie mich vor etwas warnen. Ich wollte aber nur noch eines: Ein warmes Bett. Mir war schwindlig, und mein Bauch rumpelte. Wie es meine Gewohnheit ist an fremden Orten, öffnete ich noch rasch alle Schränke, die beiden Kommoden und die winzige Truhe neben meinem Bett.

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