Meine Konstante

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Meine Konstante

Meine Konstante

Leni Trattner

Kein Drama, kein Anspruch – nur ein stilles Wissen, dass wir dem anderen alles anvertrauen können, dass wir uns nie im Stich lassen werden, wenn es darauf ankommt.
Heute will ich seine Geschichte erzählen. Oder vielleicht unsere. Denn so alltäglich sie klingt, so vieles hat sie in mir verändert. Vielleicht, weil sie gerade nicht wie eine dieser großen, rauschhaften Liebesgeschichten ist. Sondern weil sie ganz ruhig ist – beständig, unaufgeregt und trotzdem voller Wärme. Und ja, vielleicht doch auch ein bisschen romantisch.
Es war gar nicht meine Idee, ihn zu treffen. Sein Bruder hatte mich darum gebeten – eine Art Dating-Training, wie er es nannte. „Er muss mal wieder raus, mit einer Frau reden, ohne gleich in Schweiß auszubrechen.“ Ich lachte, fühlte mich geschmeichelt und ein bisschen wie eine Rettungsmission auf zwei Beinen. Aber ab und zu wollte ich auch eine gute Tat tun – und die klang lustig. Ja, sogar ein bisschen spannend.
Denn wir hatten uns Jahre nicht gesehen. Ich kannte den kleinen Bruder, aber kannte ihn eben noch als den stillen, schlaksigen Jungen, der sich beim Reden die Schuhe ansah. Der sich nicht viel um sein Äußeres kümmerte und seine Akne einfach ertrug, ohne gegen sie anzukämpfen. Der sich damals lieber Computern als Mädchen zuwandte und dabei immer irgendwie zufrieden wirkte.
Und dann stand er wieder da. Sein Blick war ruhig, sicherer, nicht mehr auf seine Schuhe gerichtet. Er war natürlich älter geworden, wirkte aber immer noch still. Und ja, auch irgendwie zufrieden. Gleich zu Beginn konnte ich mich in seiner Gegenwart entspannen. Denn er war kein bisschen aufdringlich, einfach nur spürbar da. Für mich da – ich hatte seine Aufmerksamkeit und fühlte mich gesehen.
Wir trafen uns in einer kleinen Bar, redeten über nichts Besonderes und lachten über denselben schlechten Witz, den wir uns als Kinder erzählt hatten.

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