Meine Konstante

23 6-11 Minuten 0 Kommentare
Meine Konstante

Meine Konstante

Leni Trattner

Irgendwann war klar, dass aus der Übung längst ein echtes Treffen geworden war. Bei ihm musste ich mich nicht anstrengen. Wir flirteten, ganz natürlich, ohne Sprüche. Es war gut, es war lustig. Vielleicht, weil er auch keine Erwartungen hatte, außer einem guten Abend zu haben. Er nicht dachte, es wäre ein Vorstellungsgespräch für Mr. Perfect, er hielt keine Monologe, er führte kein Interview mit mir – nein, wir unterhielten uns entspannt. Und mit ein paar eindeutigen Zweideutigkeiten. Schließlich hatte ich seinem Bruder versprochen, ihm etwas Training im Flirten zu geben, da gehörte das dazu. So redete ich es mir ein. Und so gehörte es einfach auch zu mir dazu, zu meiner Persönlichkeit.
Wir tranken unsere Gläser aus, und als der Kellner das Licht hochdrehte, war klar, dass der Abend noch nicht enden sollte. „Komm, fahren wir zu mir“, sagte er einfach.
Es war ein kalter Januarabend. Wir hielten bei McDonald’s, nahmen Burger und Pommes mit, die Tüte lag zwischen uns auf dem Beifahrersitz. Im Auto roch es nach Salz, Fett und irgendwie nach unserer Jugend. Kein Knistern wie im Film, nur dieses stille Wissen, dass die Nacht noch jung war, dass noch alles möglich war – und dass das gut so war.
Seine Wohnung war klein, schlicht, aufgeräumt. Wir setzten uns aufs Sofa, aßen schweigend, lachten über lauwarme Pommes. Irgendwann starteten wir Mario Kart. Es war kindisch und ehrlich: wir lachten, neckten uns, steigerten uns in einen Wettkampf hinein, glaubten, es wäre wahnsinnig wichtig, den anderen auf der Rennstrecke zu besiegen. Irgendwo zwischen einem hysterischen Lachen und einer verpassten Kurve sah ich ihn an – und küsste ihn. Einfach weil es logisch schien.
Der Kuss war kein Feuerwerk, sondern eine Erleichterung. Er roch nach Duschgel, auch nach Zigarettenrauch, der sich wohl in der Bar in sein Haar gehängt hatte.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 826

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben