Meine Konstante

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Meine Konstante

Meine Konstante

Leni Trattner

Eigentlich dachte ich immer, dass ich irgendwann das mit den Beziehungen lernen würde. Dieses Bleiben, Sich-Fügen, Kompromisse eingehen – all das, was man eben tut, wenn man erwachsen ist und sein Leben in den Griff bekommt. Stattdessen habe ich gelernt, dass ich mich in Beziehungen verliere. Kaum lasse ich jemanden in mein Leben, kaum lasse ich jemanden näher an mich heran, beginne ich, mich selbst zu manipulieren.
Erst sieht es immer so aus, als würde ich mich entwickeln, würde einfach nur die beziehungsfähige Version meiner selbst werden. Denn dann werde ich die angenehme, charmante Variante meiner selbst, die keine scharfen Kanten hat. Die sich immer mehr verbiegt. Und irgendwann stehe ich dann neben mir – perfekt angepasst, aber hohl. Und unglücklich, weil sie sich selbst verloren hat. Das ist der Zeitpunkt, an dem ich dann alles abbreche. Alles zerstöre – eben um nicht zu retten.
Vielleicht war es also gar kein Scheitern, als ich aufgehört habe, mich zu binden. Eher eine Rückkehr zu mir selbst. Und eine Vorbeugung weiterer Zerstörungen.
Ich habe gelernt, dass Nähe auch existieren kann, wenn man nicht alles teilt – keine Zahnbürsten, keine täglichen Gespräche über den Alltag. Für mich ist das sogar die ehrlichste Form von Intimität: dort zu sein, wo man nichts muss, aber alles darf.
Er war von Anfang an so jemand. Nicht offiziell mein Partner, nicht mein Geheimnis, eher eine leise Konstante, die sich nie verstellen musste. Und die mich immer so akzeptierte, wie ich war. Egal wer ich gerade war, in welche Version meiner selbst ich mich entwickelt hatte.
Die meisten würden sagen, wir führen eine offene Beziehung. Ich sage lieber: Wir verstehen uns, ohne alles aussprechen zu müssen. Er ist da, wenn ich ihn brauche, genauso wie ich für ihn.

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