Sie mussten, um an die Rezeption zu kommen, eine halbe Treppe hochsteigen. Ein dünner, fahrig wirkender Mann fragte, wie lange sie bleiben wollten. Ein halbe Stunde für 12 Euro, eine Stunde für 22, blieben sie länger, gäbe es Rabatt, eine ganze Nacht ohne Beschränkung sei für 100 zu haben. Wenn sie kürzer buchten, würde er rechtzeitig an die Tür klopfen und wenn sie dann nicht pünktlich kämen, müssten sie für jede angefangen halbe Stunde 10 Euro nachbezahlen. Es gäbe hier klare, simple Regeln und das alles wisse aber seine Braut auch ganz gut, dabei grinste er Conuela an, aber ihr Gesicht blieb ausdruckslos. Da von den Hundert Euro, die er mitgenommen hatte, schon einige bei Wanda geblieben waren und er ihr, auf dem Weg in das Imperial 50 Euro versprochen hatte, war eine andere Entscheidung, als die halbe Stunde, schon gar nicht mehr möglich. Consuela schien es egal zu sein, sie wollte ihre Einnahmen nicht, wie sonst üblich, mit allen Mitteln erhöhen. Er hatte ihr 50 versprochen und nur das war für sie wichtig. Der Mann trug die Zeit in einem zerfledderten Buch ein, gab ihm den Schlüssel, zwei Handtücher und ein Stückchen eingepackte Seife. Nummer 9, sagte er noch, seine Braut, wieder dieser etwas mokante Begriff, wisse, wo das sei und, wie gesagt, er käme rechtzeitig und würde klopfen.
Consuela war, als sie die Zimmernummer gehört hatte, vorausgegangen und er musste sich beeilen, ihr zu folgen, sie nicht aus den Augen zu verlieren und sich in den verwinkelten Gängen nicht noch zu verlaufen. Aber sie hatte an der Ecke gewartet, bis er kam und so viele Ecken gab es dann auch nicht, bevor sie vor der Nummer 9 standen. Er schloss auf und sie betraten ein kleines, kahles Zimmer, in dem nur ein breites Bett, eine Duschkabine aus Plastik und ein Stuhl waren. An der Wand noch ein paar Haken für die Garderobe, also nur das Notwendigste, das man für den Zweck eines solchen Aufenthalts brauchte.
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