Mia zog ihre Augenbraue nach oben, worauf Sina etwas vorsichtiger agierte.
Dann saßen die beiden Frauen endlich in Mias Auto, in dem sie das Gepäck sicher verstaut hatten.
Es war eine jener Autofahrten, die Mia sehr gern mochte. Im Radio spielten sie Weihnachtslieder, die bei ihr eine sentimentale Stimmung auslösten. Sina schien es ähnlich zu gehen, da sie – in Gedanken versunken – aus dem Fenster schaute. <Driving home for Christmas…>, Mia fand, dass dieser Song perfekt passte. Fuhr sie nicht auch nachhause? Bernd Kortner und Albrecht Roth bedeuteten ihr fast mehr als ihre eigenen Eltern. Natürlich würde Mia bei Mutter und Vater vorbeischauen, wahrscheinlich am zweiten Feiertag. Sie liebte sie auch, aber auf eine merkwürdig distanzierte Weise. Auch in diesem Punkt fühlte sie sich Sina verbunden. Sie hatte das Mädchen gefragt, ob es nicht lieber bei ihren Eltern und den Geschwistern sein wollte. Sina hatte entschieden verneint! Sie wollte zuhause anrufen aber ansonsten mit Mia und Herrn Roth feiern. Mia drückte sie feste an sich.
Nach einer relativ entspannten Fahrt, erreichten sie die kleine Ortschaft, in der sowohl Bernd als auch Albrecht Roth lebten. Mia fuhr in die Straße ein, wo sie vor Herrn Roths Laden einen freien Parkplatz fand. Der alte Mann musste am Fenster gesessen haben, da er sofort aus der Wohnung kam. Albrecht begrüßte die jungen Frauen sehr herzlich, die ihm wie zwei Enkelinnen waren. Mia beobachtete, wie er Sina anlächelte, die sich eng an ihn schmiegte. Mia erinnerte sich an den Tag, an dem sie Sina im Supermarkt traf. Damals gab sie sich sehr verschlossen, übertünchte ihre Unsicherheit mit einer aggressiven Attitüde. Sina hatte sich sehr zu ihrem Vorteil verändert, wenngleich sie noch immer ein Lausemädchen war. Herr Roth strich ihr über die langen Haare, die von mehreren Spangen im Zaum gehalten wurden. Sina trug ein hübsches, rotes Wollkleid über ihren schwarzen Strumpfhosen.
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