Michelle & Michael

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Michelle & Michael

Michelle & Michael

Jürgen Lill

Fasziniert sah ich ihr in die Augen. Niemals zuvor hatte ich in einem Lächeln so viel Zärtlichkeit gesehen, Zärtlichkeit und … Nein!? Liebe konnte das nicht sein. Es gab keine Basis, auf Grund derer Michelle mich hätte lieben können. Dankbarkeit hätte es sein können. Aber ihre Augen und ihr Lächeln sagten etwas anderes oder zumindest fühlte es sich für mich so an.
„Warum siehst Du mich so an?“ fragte ich verwirrt. Und Michelle antwortete, wie zum Trotz auf das Chaos meiner Gedanken und Gefühle: „Nicht aus Dankbarkeit!“
Ich wollte zornig werden, weil sie schon wieder meine Gedanken zu kennen schien, konnte es aber nicht und Michelle versuchte mich mit der Frage zu beruhigen: „Warum traust Du Deinen Augen und Deinem Herzen nicht?“
Die Frage war leicht zu beantworten und so antwortete ich auch ohne zu zögern: „Weil beides so leicht zu täuschen ist.“
Michelle nickte.
„Ja, das ist wahr!“ sagte sie und das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht und machte einer tiefen Traurigkeit Platz.
„Es tut mir leid“, sagte ich. „Ich wollte Dich nicht traurig machen.“
„Ich bin nicht traurig“, erwiderte Michelle und versuchte wieder zu lächeln. Dann erhob sie sich. Sie war noch immer nur in mein Badetuch gehüllt. Ich bemerkte, dass es beim Aufstehen ins Rutschen geriet. Fast wäre es über ihre Brüste hinuntergeglitten. Aber während ich noch gebannt auf diesen Anblick wartete, klemmte sie das Tuch reflexartig unter ihren Armen fest und zog es wieder hoch. Beschämt über meine Erwartung des Anblicks ihrer nackten Brüste wendete ich mich jetzt, wo es eigentlich keinen Grund mehr dafür gab, ab. So leicht verrät man sich und seine Gedanken.
„Ich weiß, dass Du mich gerne ansehen würdest“, sagte Michelle. Und obwohl sie weiter lächelte, schwang doch etwas Traurigkeit in ihrer Stimme mit.
Auch ich versuchte zu lächeln, während ich möglichst unbefangen klingen wollte, als ich erwiderte: „Ich sehe Dich doch an!

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