Michelle & Michael

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Michelle & Michael

Michelle & Michael

Jürgen Lill


„Nackt!“ Michelle sagte nur dieses eine Wort. Und natürlich hatte sie Recht damit. Natürlich hätte ich sie gerne nackt gesehen und noch viel mehr. Aber ich wusste mit der Situation einfach nicht umzugehen und wollte sie nicht ausnutzen. Deshalb sagte ich leichthin, und glaubte mir dabei selbst, dass es nichts persönliches zwischen uns beiden war: „Jeder Mann würde Dich nackt sehen wollen!“
„Dein Wasser ist schon kalt“, wechselte Michelle das Thema. Dann wendete sie sich wieder der Tür zu und fragte mich beim Hinausgehen: „Leistest Du mir noch ein wenig Gesellschaft im Wohnzimmer?“
„Ich komme gleich“ antwortete ich. Erst jetzt spürte ich, dass das Wasser wirklich schon kalt geworden war und begann zu frösteln. Als Michelle das Badezimmer verlassen hatte, brauste ich mich noch schnell heiß ab und stieg dann aus der Wanne. Michelle hatte mein einziges Badetuch. Also musste ich mich mit einem kleinen Handtuch abtrocknen. Dann zog ich mir wieder meinen Bademantel an und begab mich zu Michelle ins Wohnzimmer. Sie hatte mir eine frische Tasse Glühwein eingeschenkt und erwartete mich in eine Decke gekuschelt auf dem Sofa. Ich setzte mich ihr gegenüber auf den Sessel und sah sie ebenso neugierig wie fasziniert an. Ich wollte irgendetwas sagen. Doch mir fiel absolut nichts ein, was ich hätte sagen können, und so schwieg ich und hoffte, dass Michelle ein Gespräch beginnen würde. Aber auch sie schwieg und ihre Augen waren ebenso forschend auf mich gerichtet, wie meine auf sie.
„Hast Du Hunger?“ fragte ich nach einigen Minuten, als ich das Gefühl bekam, dass das Schweigen langsam unangenehm wurde. Michelle nickte und antwortete: „Wie ein Wolf. Ich habe seit gestern früh nichts mehr gegessen.“
Sofort sprang ich auf und fragte mit leichtem Vorwurf in meiner Stimme: „Warum sagst Du denn nichts?“
Ich wartete aber gar nicht auf eine Antwort, sondern lief sofort in die Küche und riss den Kühlschrank auf.

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