Michelle & Michael

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Michelle & Michael

Michelle & Michael

Jürgen Lill

„Ich liebe Dich!“
Ich setzte mich, überrascht über mein eigenes Geständnis, wieder auf die Bettkante und sah Michelle verwirrt an.
„Aber ich verstehe es nicht“, sagte ich. „Wir kennen uns nicht und wissen nichts voneinander. Das entspricht überhaupt nicht meiner Vorstellung von Liebe.“
Michelle unterbrach mich nicht. Sie ließ mich meine Gedanken sammeln und in Worte kleiden und so fuhr ich fort: „Wahrscheinlich ist es nur eine Überreaktion von uns beiden, die aus der extremen Situation von heute entstanden ist. Morgen sieht alles sicher schon wieder ganz anders aus. Wenn Du ausgeschlafen und satt bist und wenn wir Dir erst ein paar neue Klamotten besorgt haben, wirst Du wahrscheinlich über unsere ‚Liebe’ von heute lachen.“
„Glaubst Du das wirklich?“ fragte Michelle.
Ich wollte Ja antworten, hörte mich zu meinem Erstaunen aber „Nein!“ sagen. Und es war die Wahrheit. Ich glaubte wirklich nicht, dass Michelle über das Geständnis unserer Liebe lachen würde, so wie ich wusste, dass auch ich nicht darüber lachen würde. Dieses Gefühl saß viel zu tief und ging weit über körperliche Anziehungskraft und eine spontane Gefühlsduselei oder Schwärmerei hinaus. Es hatte mich voll erwischt. Ich hatte die Frau gefunden, die ich nur aus meinen Träumen kannte, von der ich aber niemals gedacht hätte, dass es sie wirklich gibt. Ich hatte Michelle gefunden und mit ihr die Liebe.
Ich schüttelte den Kopf über meine Erkenntnis und sagte, mehr zu mir selbst, als zu Michelle: „Das ist verrückt!“
„Das Leben ist verrückt!“ bestätigte Michelle. „Manchmal muss man erst sterben wollen, um durch die Liebe zurück zum Leben zu finden.“
Ich stand auf, öffnete den Kleiderschrank und holte einige meiner Klamotten heraus.
„Du wirst grauenhaft aussehen, wenn Du das anziehst“, sagte ich zu Michelle, während ich ihr die Kleidung reichte. „Aber ich werde Dich auf keinen Fall verhungern lassen!“

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