Michelle & Michael

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Michelle & Michael

Michelle & Michael

Jürgen Lill


„Richtig“, entgegnete sie. „Als wir uns trafen, wollten Sie mich, glaube ich, umhauen!?“
Ich spürte, wie mir das Blut in den Kopf stieg und stotterte: „Ich … äh …“
Aber Michelle half mir wieder aus der Verlegenheit, indem sie fortfuhr: „Ich wollte Ihnen nur danken. Sie haben mir das Leben gerettet und noch viel mehr.“
Ich wehrte verlegen ab: „Bitte nicht. Ich habe nichts getan, was nicht jeder andere an meiner Stelle auch getan hätte.“
„Wer?“ fragte sie. „Die Zombies?“
Ich konnte mich nicht daran erinnern, diesen Gedanken ausgesprochen zu haben, als wir da unten im Hafenbecken um unser Leben gekämpft hatten. Und war Michelle zu dem Zeitpunkt, als ich das gedacht hatte, nicht schon ohnmächtig gewesen?
„Die Zombies?“ wiederholte ich deswegen verwundert ihre Frage.
„Waren das nicht Ihre Gedanken?“ fragte sie.
Ich schüttelte verwirrt den Kopf. „Was wissen Sie von meinen Gedanken?“
„Bitte sag nicht Sie zu mir.“ entgegnete sie, bevor sie auf meine Frage antwortete und mich dabei selbst zu Duzen anfing. „Eigentlich weiß ich gar nichts von Deinen Gedanken. Nur als Du da unten im Hafen eher selbst mit mir ertrunken wärst, als mich wieder loszulassen, schienen sie mir irgendwie sehr klar zu sein.“

Ich sah sie an wie ein Gespenst und sie fuhr sichtlich verunsichert fort: „Entschuldige bitte! Ich wollte nicht indiskret sein. Mich verwirrt das genauso wie Dich.“
„Michael!“ sagte ich. Aber sie konnte dem Gedankensprung nicht folgen und fragte: “Bitte?“
„Mein Name: Ich heiße Michael. Michael Winter.“
Jetzt war es Michelle, die mich wie ein Gespenst ansah als sie antwortete: „Danke für mein Leben, Michael Winter. Mein Name ist Hiver, Michelle Hiver!“
Zufall oder Schicksal? dachte ich. Hiver ist französisch und bedeutet nichts anderes als Winter. Ich schüttelte den Kopf, wie um den Gedanken an ein mögliches, vorbestimmtes Schicksal abzuschütteln.

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